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Zusehen ist,) wäre in der That kein Modell für Kaiser Wilhelm.Auch Karl’s V. Regierungs - Maximen nicht. Napoleon I. machtebekanntlich 1813 gegen den Weimar’sclien Kanzler Müller die Be-merkung: »Karl V. würde klüger gethan haben, die katholische
Sache zu verlassen und sich an die Spitze der Reformation zustellen, um bei der damaligen Stimmung der Gemüther die Herr-schaft über ganz Deutschland zu gewinnen.«
Als Karl V. sich 1530 am 24. Februar zu Bologna vom Papstzum Römischen Kaiser krönen Hess, was nach ihm kein DeutscherKönig mehr gethan hat, musste er dem heiligen Vater, den erdoch kurz vorher gefangen gehalten, nach alter Sitte knieend denFuss küssen und bei der Krönungsmesse, mit dem Levitenkleide(der Kaiser-Dalmatica) angethan, vor ihm als ein Domherr vonSt. Peter das Evangelium absingen. Jeder seiner Nachfolger imReiche musste seit dieser Zeit, ehe er die Römisch - DeutscheReichskrone erhielt, folgende Fragen bejahend beantworten:
»Ob er bei dem katholischen Glauben beständigverbleiben und. demselben nachleben wolle; ob er derKirche und deren Diener getreuer Vormund und Be-schützer sein; ob er das Reich nach der Gerechtigkeit seinerVorfahren regieren und beschützen; ob er die unrechtmässigerWeise abgetrennten Gerechtsame des Reichs wiederHerstellen, erhalten und getreulich verwalten; ob er einBeschützer der Wittwen, Waisen und Bedrängten, und ein gerechterRichter über Arme und Reiche sein, und endlich: ob er demPapste gehörige Treue leisten wolle?« 1 )
Wie würde ein solcher Eid auf die heutigen Zustände passen?Selbst die Erinnerung daran — welche die Römisch - DeutschenReichskleinodien repräsentiren — kann in uns nur die Empfindungerwecken: die alte Römisch - Deutsche »kirchliche Kaiserpracht«,ihre Zuthaten und Würdezeichen seien für den neuen DeutschenErbkaiser unmöglich und geradezu verwerflich. Der neue Deutsche
*) Vergl. den Krönungseid bei Bcrmann, Not. Dignit. Illust. V. p. 406, u.die Diarien der verschiedenen Kaiserkrönungen des 17. und 18. Jahrhunderts.