Druckschrift 
6 (1845)
Entstehung
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sv wie eine gründliche Kenntniß der Muskeln der Beine, Armeund des Halses, dem Tänzer und die der Hand und Fingerdem Clavierspicler unendlichen Vortheil gewährt, so auch selbstder praktische Kuß Vieles von der damit verbundenen Schwierig-keit verliert, wenn man gründlich weiß, wie natürlich Alles da-bei zugeht:

Das Küssen, sagt Hr. v. Kempelen, ist eine nichtgleichgültige Verrichtung der Lippen Wie man küßt, weiß derganze Erdboden, aber wie der dem Ohre so willkommene Lautdabei entsteht, daran dürfte wohl ein großer Theil nie gedachthaben. Wenn es ein freundschaftlicher, hellklatschender Herzcns-kuß lein soll, sv zieht man die Lippen in eine runde Form,wie wenn man einen Kirschenkern aus dem Munde Herausstoßenwollte, und drückt sie auf den Gegenstand, den man küssen will,fest auf, dadurch werden die Ränder des runden Lochs so ver-drückt, daß sie sich ganz an einander schließen und keine Öff-nung bleibt. Man verweilet in dieser Lage eine kurze Zeit,und bestrebt sich während derselben die Lippen auseinander zuziehen, weil aber der Druck, mit dem sie durch den »ordern Theilder Kiefern auf den zu küssenden Gegenstand aufgepreßt sind,zu stark ist, sv lassen sie sich nicht von der Stelle bewegen, zu-gleich zieht man den Athem stark an sich. Wenn man nun ausdieser Lage mit dem Kopfe jähe zurückführt, und dadurch denMund von seinem Gegenstände losreißt, so fahren die schon vor-hin durch das obige Bestreben angespannten und nun des Drucksauf einmal entledigten Lippen auseinander, und die Luft fährtmit einem lauten Schnalzen zum Munde hinein. Noch ist da-bei zu merken, daß auch der geküßte Gegenstand zu dem läuternSchallen beiträgt, weil er in dem Augenblicke, wenn unsereLippen von einander abspringen, noch nicht weit genug entferntist, folglich der eindringenden Kraft noch im Wege steht, so, daßsie sich zwischen dem küssenden und geküßten Körper durchzwän-gen muß, welches dem Schalle eine noch größere Lebhaftigkeitgibt. Man versuche es, einen Kuß ohne Gegenstand f!) in diefreie Luft hinzuwerfen, man wird da zwar auch einen Schallhören, aber er wird nie so lebhaft und hellklatschend sein, wiejener. Bei dem leisen Küssen ist nur der Unterschied, daßman da die Lippen nicht so fest auf seinen Gegenstand drückt,