Allgem. Verhältnif» des forschenden Menschen. 6
Bemerk, i) Die Naturforschung verlangt nicht, dafsihre Wahrheiten nur Gut des Einzelnen sind, sondernAller. Ihre Methode, das Wahre in den Erscheinun-gen zu ergründen, mufs daher nicht auf die einzel-nen subjectiven Verhältnisse der Menschen , sondernauf den höchsten Standpunct ihrer Daseynssphäre , aufdie Gesetze des Verstandes und deren lezle Ableitung,somit auf den in allen am Geiste gesunden Menschenentwickelten göttlichen Zeugen der Wahrheit, auf ihreVernunft, gestützt, geprüft und gegründet werden.Es ist richtig, dafs in der Weise, wie wir die Dingebetrachten : wir nur unsere Ansicht haben ; der Menschsoll aber als denkendes Wesen nicht blofs eine seinerSubjectivität entsprechende Ansicht von der Welt ent-werfen , sondern stets dahin streben, seine und alleAnsichten einzelner Menschen, von dem zu befreien,was an ihnen einzeln ist, oder was von der mehr oderminder beschränkten Persönlichkeit des Entwerferszeugt. Nicht für die einzelnen Menschen, sondern imNamen der Menschheit, mit der nur möglichen Kraft,Ausdauer und Besonnenheit, mufs der Weg zur Wahr-heit gesucht und verfolgt werden.
e) Sofern unsere Kenntnisse aus der Vernunft (apriori) abgeleitet sind, oder eine solche Ableitung sichunmittelbar nachweisen läfst, werden sie in ihrer Tren-nung als Theile des menschlichen Wissens betrachtet,und zu einem Ganzen vereint Wissenschaft ge-nannt; deren Mannigfaltigkeit durch diejenige desGeistes bestimmt wird. So können wir z. B. in Rück-sicht der Naturkenntnisse, aus allgemeinen und blofsconstruirten Begriffen der Materie, gewisse Sätze ab-leiten , welche uns über einzelne Anziehungsverhält-nisse der verschiedenen Materien Aufschlufs gew’äh-