Druckschrift 
Th. 2 (1843)
Entstehung
Seite
216
Einzelbild herunterladen
 

210

Fünf und fünfzigstes Capitel.

der Herzog als ein unzuverlässiger Mann bekannt. Nach desKönigs Tode vermuthete oder versicherte man, daß das Mißver-ständniß mit Wollenstem nur scheinbar, und daß es der Herzoggewesen sei, welcher im Gedräng und in der Verwirrung denKönig durch den Nucken ge>chossen, und dann mit Hülse seinesDieners den Mord vollendet habe; daß der Herzog, der Verab-redung mit den Kaiserlichen gemäß, eine grüne Leibbinde als ge-heimes Zeichen getragen habe, um von ihnen unangetastet zubleiben, und daß er darauf, noch mitten in der Schlacht, zuWollenstem übergegangen sei, die Nachricht von der Ausführungder verbrecherischen That mitbringend u. dgl. m. So war dasGerücht; und die schwedischen Soldaten, von dessen Wahrheitüberzeugt, haßten den Herzog mehr als den Tod, und mehrereGeschichtsschrcibcr haben die Sage aufgenommen.

Die wirkliche Beschaffenheit der Sache war indessen folgende:1) trug das ganze schwedische Heer, eben so wie der Herzog,grüne Leibbinden, die Kaiserlichen hingegen rothe; 2) blieb derHerzog mehrere Wochen nach der Schlacht in schwedischen Diensten,welche er nur verließ um dem Unwillen der Soldaten zu entgehen,aber keinesweges zu den Oesterreichern, sondern zu den Sachsenüberging, und 3) hat man eben so wenig die geringste Spurvon einer ihm zuerthcilten Belohnung, weder durch Beförderungnoch durch Geld, entdecken können. Seitdem führte er die Unter-handlungen zwischen Johann Georg und Wollenstem, war in desletzter» Verschwörung verwickelt, ward gefangen genommen undnach Wien geführt, wo er den lutherischen Glauben abschwur,und im Kriegsheere angestellt ward. In einem Treffen gegen dieSchweden ward er tödtlich verwundet, gefangen genommen undvon Torstensson nur mit Mühe gegen die Soldaten, welche desKönigs Tod an dem vermeinten Mörder rächen wollten, geschützt.Die Ausrufungen des Schmerzes, welche die Todesqualen ihmauspreßten, wurden, bald als ein Ausbruch des erwachten Ge-wissens, bald als ein vollkommnes Bekenntniß des verübten Ver-brechens gedeutet, und so ist sein Andenken, durch diesen Argwohnbefleckt, auf die Nachwelt übergegangen.

Einer andern Sage nach war es Richelieu, welcher, neidischauf des Königs glückliche Fortschritte, den Mörder miethete; dochermangelt dies aller Beweise. Irgend ein deutscher Abenthmrer