Druckschrift 
Th. 2 (1843)
Entstehung
Seite
5
Einzelbild herunterladen
 

Stettins Eroberung.

5

fruchtbaren Lande hin und hatte es schon im Voraus einem vondeS Kaisers Söhnen bestimmt; so sollte der katholische Glaubeund die österreichische Macht größere Ausbreitung gewinnen. Deralte, fromme BogiSlans mußte schon bei Lebzeiten hören undsehen, wie die Mächtigen sich um seine Nachlassenschaft stritten;manchmal war er genöthigt, ernstlich ihren Besuch zurück zuweisen, durch welchen sie sogar schon vor seinem Tode sich daskünftige Erbe zueignen wollten. Der Kaiser hatte schon seinganzes Herzogthum außer Stettin besetzt; ja er hatte, theils durchGewalt theils durch List, sich auch dieses letzten Zufluchtsortesdes Alten bemächtigen wollen; aber dies war mißlungen. DerHerzog war unterdessen in einer unangenehmen Lage, bei der Sehn-sucht des Alters nach Ruhe und Stille, mitten in den beständigenUnruhen! Diese Unbehaglichkeit ward durch der Schweden Ankunftnur noch vermehrt. Schon vor Gustaf Adolfs Abreise von Schwe-den, hatte der Herzog ihm einen seiner Herren zugeschickt, umdeu ihm zugedachten Besuch abzuweisen; aber vergebens. DerAbgesandte fand den König mit der Einschiffung des Heeres be-schäftigt, und erhielt auf alle seine Vorstellungen keinen andernBescheid, als die Worte: „daß der König kommen und demHerzoge selbst mündlich ausführlichere Antwort geben würde."BogiSlans kam nun zwischen zwei Feuer, die Schweden und dieOesterreichcr, bei beiden nicht ohne Grund heimliche Absichten ausdas künftige herzogliche Erbe voraussetzend. In seinem Herzen be-günstigte er gewiß wohl die Schweden, wagte aber nicht es zuzeige», aus Furcht vor der kaiserlichen Rache. Er beschloß neutralzu bleiben, und ward daher von beiden angegriffen. Conti machtenoch eine» Versuch, sich durch Ueberrasehung Stettins zu bemäch-tigen; aber es ward entdeckt und mißlang; woraus er gen Anklamzog, um die Schweden an ihrem in dieser Gegend erwartete»Einsalb zu verhindern.

Gustaf Adolf, genau von den Bewegungen der Kaiserlichenunterrichtet, wollte diese ihre Abwesenheit benutzen und einenraschen Angriff auf Stettin ausführen. In der größten Eilesammelte er bei Lebin hundert kleinere Schiffe und eine bedeutendeMacht, indem er beabsichtigte von dort auS direkt nach Stettinzu segeln, und sich dieser Stadt zu bemächtigen, ehe Conti zumEntsatz herbei eilen könnte. Schon waren die Truppen und die