§. 51.
Ihr Menschen voll Habsucht, kommet alle her aufmeinen Acker; ihr Geitzigen, Venen nichts genügen will,hier sammelt zur vollen Genüge, Reichthum ist doch euerZiel, hier findet ihr das Ziel: kommet alle, dann sind keineArmen mehr auf Erden, keine Hungrigen, keine Dursti-gen, sie alle sind reich, sie alle haben die Fülle. Aberleider! so wenig gekannt ist dieser Acker, darum so we-nig gesucht, darum so viel drückende Noth und Elend inder Seele! — Ist aber der Wille des Menschen aufdiesen kostbaren, unerschöpflichen Schatz einmal mit Ernsteeingegangen, dann giebt er sich ihm ganz hin; er isset undtrinket und läßt sich wohl seyn, das Irdische kümmertihn nun ferner nicht weiter, er überläßt es denen, welchesich daran genügen wollen, er freuet sich seines gefunde-nen Schatzes, seines unermeßlichen Gottes, der ihn dennnun auch mit der Fülle Seiner Gnaden beseliget, dieihn immer fester und unverbrüchlicher an Ihn fesseln.Diese Fessel aber ist seine ächte Freiheit, denn was Gottbindet, das entbindet Er auch von allem Eitelen undVergänglichen; so ist denn der Wille frei, weil er einfreies Eigenthum Gottes geworden ist. Nun entzündet ersich in der göttlichen Liebesflamme, so wird er ganz Liebe,eine flammende Liebe, der Wille ist nicht mehr Wille,er ist Liebe geworden, Liebe aus Gnaden, wie Gott dieLiebe ist aus Seiner Natur; und so ist er denn in dieStätte seiner ersten Unschuld eingetreten, in der der Willeerhaben ist über sich selbst und über alle Dinge in Gott,denn nun verlieret er nicht nur sich selbst, er verlieretauch seinen Namen, so daß er nun nicht mehr Menschen-Wille, sondern vielmehr Gottes Wille heißt und ist, unddas ist das Ziel und Ende des menschlichen Willens,wozu ihn Gott geschaffen hat. Das alles aber ist dieedele Frucht des Leidens Christi, das ihm alle Lockun-gen, alle täuschenden Reitze der Kreaturen gänzlich ent-ziehet, dafür aber mit göttlicher Süßigkeit und Freudeso reichlich überschüttet, daß er trunken wird darin, daß