Druckschrift 
Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
Seite
151
Einzelbild herunterladen
 

151

>

Kenntniß, aber eben der Glaube ist die Frucht der Gnade,die uns aus Christus kommt, in ihr lernen wir aus Er-fahrung kennen, daß Christus Gott ist und Mensch; die-ser Erfahrungsglaube sprach in und aus Paulus in denWorten: „Ich kenne und weiß ferner nichts als JesumChristum." Christus hat Sich nämlich in Seiner Kraft,in der Fruchtbarkeit Seiner Werke in ihm gcoffenbaret,hat alles, was außer Christus ist, in ihm getödtet;darum kannte er nichts ferner und wollte nichts kennen,als Christus.

§. 44 .

So werden auch wir Christum kennen lernen. Ihnerfahren und erleben, wenn wir Ihm als treue Nachfol-ger Seines Lebens und Wirkens gleichförmig zu werdensuchen: je inniger die Nachfolge, je großer die Ähnlich-keit; je großer diese, je Heller die Erkenntniß, denn Glei-ches wird nur durch Gleiches erkannt. Je ähnlicher wiralso Gott sind, desto vollkommener ist unsere Erkenntnißvon Ihm, und so wie Gott ein reines, einfaches Wesenin Sich Selbst ist, so muß auch die Seele, die Ihn er-kennen will, von allem und jedem Fremdartigen entledi-get und entblößet seyn. Diese Reinigung aber und dieseEntledigung entspringet aus dem Bilde unseres Herrnund Seiner Nachfolge; wer nun diesem Bilde Christi amgleichförmigsten ist, der ist auch der reinste und folglichder ächte^ gottschauende Mensch. — So ist es hiemitklar, daß und wie der Mensch durch das Bild JesuChristi und Seine Nachfolge bereitet, geleitet und geord-net wird zur wahren Armuth des Geistes und zu einemgottschauenden Leben.

8 . 45 .

Die zweite Weise, wie man von der MenschheitChristi in Seine Gottheit eingehen könne, ist diese: hatder Mensch durch äußere Gleichförmigkeit mit dem Bildeund Kleide Christi sich umkleidet und so nach Außen sich