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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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allen Dingen. Thue Gleiches an dir, dann wirst dusehen, daß Schauen und Armseyn auf einem Punktestehen. Aber leider! sind nicht Alle, die als geistlichArme sich ausgeben, auch wirklich solche, und diese sinddenn auch keine schauende, innige Menschen, es ist nichtsan ihnen, als ein äußerer Schein, und sie mögen dieWorte Christi wohl eben so treffen, wie jene Scheinhei-lige und Heuchler, denen Er sagteNicht jeder, dernur saget: Herr, Herr, gehet ein in Meines Vaters Reich,sondern der des Vaters Willen thut." Nicht jeder, derda sagt: ich bin ein armer Mensch, mich machet dasAeußere schon kennbar, ist deshalb schon ein wahrer Gei-stesarmer; nur der ist's, der die Werke wirket der wah-ren Geistesarmuth, und der nur ist auch ein schauender,inniger Mensch.

§. 38 .

Wie kann aber, entgegnest du, bei der Armuthdes Geistes, bei dem Schauen Gottes im innersten derSeele die Rede von Werken seyn? wie kann Wirkengefordert werden von dem, der entlediget ist alles undjeden, was Gott nicht ist, der außer Ihm nichts mehr hat?wie kann der Schauende wirken, eingegangen in das in-nerste Hciligthum der Seele? beide, der Geistesarme wieder Schauende, müssen ja Gott nur wirken lassen in ih-remJnneren, sie aber leiden Gott und halten Ihm stille?Das ist nun allerdings wahr, wenn du den vollkomme-nen Geistesarmen, folglich auch den wahrhaft schauendeninnigen Menschen im Auge hast; wir aber reden hiervon den Anfängern, die da erst eingehen wollen in wahre,geistliche Armuth und in das beschauliche innere Leben,diese müssen doch zuerst Werke haben und verrichten, diesie einleiten, vorbereiten und befähigen zu dieser Entle-digung des Geistes. Aber auch in diesem vorbereitendenWirken kommet es vorzüglich auf die ächte Wahl dessen

') Matth. 7, si.