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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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tcn "). Entlediget alles Irdischen muß zuvor aber dieseWohnung seyn, ehe der Herr eingehet und Seinen Bundder Liebe stiftet; ist dieser Bund geschlossen, dann rufet >z

die Seele' mit den Worten des Buches der Liebe :Er küsse mich mit dem Kusse Seines Mundes." Die-ser Kuß Gottes ist die Erhebung der Seele über alle irdi-sche Dinge, es ist ihr Stehen vor Gott, ihr SchauenGottes, wo Gott Sich neiget zur Seele und ihr den Kußder Liebe, des Friedens und der Ruhe reichet; Liebe loh-net Gegenliebe, der Wille Beider wird Einer. Von die-sem Bande der Liebe zwischen Gott und der Seele sagtder heilige Bernard: Wie süß ist dieses Band der Liebe!es machet den Armen reich, und der Reiche, der es nichtkennet und nicht hat, ist arm.

§. 32 .

Sind reiche Leute, könnte hier gefraget werden, einesbeschaulichen Lebens fähig und empfänglich des göttlichenLiebebandes, von dem wir hier reden ? So lange derMensch dem Zeitlichen und Geschaffenen anhanget, ist erder vollkommenen, der göttlichen Liebe nicht fähig, denndas Band der göttlichen Liebe zerbricht alle irdische Bande;wer nun aber noch gebunden ist mit solchen Fesseln, der

*> Wenn die Seele Jesum liebt, mit aller Aufmerksamkeit, mit allemEifer, ohne Aufhören liebet, wenn die Liebe zu Ihm ihr ganzes Herzund ihr ganzes Leben ergreifet, dann denket ihr Gott für diese Liebe ein«besondere Gnade zu, die Seele aber kennet diese Gabe noch nicht, sie keil--net ihren Umfang, ihre Größe noch nicht. So geschah es an Maria;weil sie Jesum unausgesetzt liebte, sich nicht von Seinen Füßen trennte,so theilte der Herr nicht blos auf eine gemeine Weise Sich ihr mit, esging vielmehr eine besondere Kraft aus dem göttlichen Herzen und We-sen Jesu in ihr Inneres über; denn was Gott in dieser liebenden Ruhein ihrem Herzen sprach, das war Gottes Geist und Gottes Kraft. Dieseinnere Ansprache Gottes durchdrang ihr Herz, Gottes Geist durchdrangihren Geist, Gottes Geist strömte im reichen Maaße in ihr Gemüth über;und diese göttliche Kraft, wohin sie sich einmal senket, dort ist sie blei-bend, dort besitzet sie die Seele als einen Schatz, der ihr nie entnommenwerden kann. Deshalb hat der Herr, der wohl wußte, was Er in dasHerz Marias niedergeleget habe, gesprochen:Das beste Theil hat sichMaria erwählet." Siehe: Schriften des heiligen Makarius./ > 8 iy.i. Band, S- 264bZ.

**) Hohel. 1,'.