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Hier müssen wir aber einem Mißverstände vorbeugen,welcher der seyn würde, als hebe die Beschaulichkeit diePflicht der Liebe gegen den Nächsten auf, was ganz falschund unrecht wäre. So lange dich noch irgend eine Pflicht,dein Beruf, die Zeit, nicht welcher du dienest, sondernin welcher du den Menschen dienest, zur Thätigkeit,Hülfe und Beistand mit Recht auffordern und fordernkönnen, so lange mußt du auch andern dienen und thä-tig seyn; und träfe diese Forderung an dich gerade indem Augenblicke, in jenem seligen Momente ein, wo duim unmittelbaren Schauen Gottes, im innigsten Umgängemit deinem Gott dich unaussprechlich selig fühltest, unddu würdest diesen Himmel in dir nicht auf der Stelleund sogleich verlassen, so würdest du wirklich unrecht thunund dein Schauen würde dir nichts helfen, ja, deinHimmel würde vor dir und in dir zusammen stürzen undder Herr würde Sich dir entziehen Bist du aber derGlücklichen und Seltenen Einer, von denen gar nichts dieMenschen mehr fordern, Einer von den ganz Vergesse-nen und der Welt Unbekannten, und folglich aller zeit-lichen Dinge ledig, dann sollst du dich auch nicht vordrän-gen, nicht eindrängen, wo man deiner weder bedarf,noch will., Jetzt bist du ein freier, wahrhaft ledigerGeist, deine Lage und dein Stand ist nun weit edeler,deine Ruhe ist besser, als alle Geschäftigkeit der Welt.Diese Ruhe und Muße rühmte Christus an Maria imGegensatze der Geschäftigkeit der Martha; mit einer ruhi-gen, stillen und entledigten Seele wandert der Herr gerneund wohnet in ihr, wie der Liebende mit der Gelieb-
*) So erging es dem gottseligen Heinrich Snso. Bei ihm mel-dete sich einst, da er eben in großer Andacht begriffen war, ein altesWeib zur Beicht. Er ließ sie abweisen und fiel wieder aut seine Knie,, aber er konnte kein Wort mehr mit Gott sprechen. Er rief das Weib
zurücke, horte ihre Beicht und absolvirte sie. Nun ging er wieder in'sGebet, und jetzt erst fand er Gott wieder, und mit innigerer Andachtwieder, als es ihm im ersten Gebete gegeben wurde.
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