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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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kann vom Bande der göttlichen Liebe nicht gebunden seyn,wie der heilige Augustin saget: Ist das Herz ergriffen unsgebunden mit göttlicher Liebe, dann kann die Eitelkeit derKreaturen keinen Platz mehr finden. Ferner ist die ächteLiebe eine treue Nachfolge des Geliebten, sie thuet alles,was er gebietet, will und rathet, nichts überstehet sie,nichts unterlasset sie, alles wirket sie, wie der Geliebte eswill. Thun wobl aber das die Reichen so allgemein undalles ausschließend? folgen sie im vollen Sinne dem Ratheunseres Herrn? können sie es auch nur, so lange zeitlicheGüter sie belasten und sie der Bürde sich hingeben? könnensie lieben aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und mitganzem Gemüthe? Wir sprechen ihnen wohl keineswegs dieLiebe im allgemeinen ab, sie können, und Viele thuen es wohlauch, Werke der Liebe beweisen; ob aber auch Liese ausdem wahren Grunde göttlicher Liebe entspringen, das istdie nöthige Frage? Wäre das, entsprängen diese Werkeaus diesem reinen Grunde, so konnten sie ja eben so leichtalle und jede Werke der Liebe, die Liebe in ihrer Fülle,wirken, als sie jetzt einzelne, nach Zeit und Gelegenheitsich gestaltende Liebeswcrke verrichten; das vermögen sienun nicht, was ein gewisses Zeichen ist. Laß die göttlicheLiebe noch nicht in ihrer ganzen Kraft ihr Herz gebundenhat. Nach dem Ausspruche des heiligen Augustin ist demgottliebenden Menschen nichts zu schwer, er vermag alleDinge in Dem, Der ihn stärket; weil sie nun das nichtkönnen und vermögen, so ist es ein gewisses Zeichen, daßdie wahre, volle, göttliche Liebe ihnen noch fehle.

§. 33.

Ueberdies ist ja die göttliche Liebe eine so überströmendeDluelle, daß, wer einmal den Mund zu seiner Labung ansie hingehalten hat, der fließet über in Liebe, er muß al-lem Irdischen entsagen, er kann ferner keiner Kreatur an-hangen, Gott ist sein Ziel und Ruhepunkt. Dcrselbigeheilige Augustin saget: Einer Gott liebenden Seele sindalle Kreaturen zu enge, sie kann in keiner ferner ruhen.Kann Gott Lieben was anderes seyn und heißen, als der