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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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s soll: so lange nun das währet, so lange muß er auch

! wirken. Unterließe er es und entzöge sich den Pflichten,

> die sein Stand, die Liebe oder die Nothdurft anderer

i von ihm fordern, dann handelte er unrecht und seine

e Zurückgezogenheit wäre nichts, als sträfliche Nachlässig-

t keit, ein sündlicher Müßiggang, der wider Gott und die

j, Wahrheit wäre; denn Versäumniß seiner Pflichten und

' der aus ihnen hervorgehenden nothwendigen tugendlichen

Uebungen ist Sünde gegen Gott. Vergebens erhebest du,sagt ein Geisteslehrer, deine Hände zu Gott, wenn dusie zuerst der äußerlichen Pflicht, oder denen, die deinerj bedürfen, entzogen und sie ihnen nicht gereichet hast, die

! du ihnen hättest darbieten sollen. Bei diesem äußerlichen

Ueben nun, in diesem Treiben und Wogen der Geschäftesehen wir, daß der Mensch pflichtgedrungen der Sclaveder Aeußerlichkeit seyn muß und sein Inneres wenig inBetrachtung ziehen kann; unter dem äußeren Gewühleentschwinden ihm wohl die ewigen Dinge und beide ver-tragen sich nicht wohl miteinander. Gewöhnlich fordert dasEine die Abgabe des Anderen; und doch ist das innere,schauende Leben das wahre Leben, erhaben über alle zeit-liche Dinge, einzig bezweckend die ewigen und wahren,i Willst du nun ein schauendes Leben führen, so ist es

wohl nöthig, allen zeitlichen Dingen zu entsagen; so nurgelangest du zum besten Theile, der Gott ist. Er ist nundein einziger Gegenstand, in den du eingehest, dich in

- ihm vor allen Kreaturen verbiegest, alles Geschaffene ver-

> gissest, damit auch sie alle dich vergessen. Vergessen von

; Allen, kennest du nichts als Gott, und Er dich. Nur

! der allem und also auch sich Entwordene ist Gottes Freund,

- eingehend in Ihn, erkannt von Ihm, schauend Ihn.Den die Welt und die Menschen noch in ihrer zeitlichen

> Pflicht haben und halten, der vermag das nicht; ihn hin-dert und muß bindern die Kreatur und die Forderungenderselben an ihn.