bildet in das formlose Bild des Sohnes, wird er einSohn und Kind Gottes aus Gnaden, wie der Sohnes ist aus Seiner göttlichen Natur.
§. 28 .
Fünftens, ist der Geist des Menschen entrücket inGott und gleichsam vergottet in Ihm, dann regieret ermit Gott; das hat Paulus in den Worten ausgesprochen:„Sterben wir mit Christus, so erstehen wir auch mitIhm, so regieren wir auch mit Ihm." Und so vermager denn alle Dinge mit und in Gott, so lebet er inIhm, so herrschet er mit Ihm; was Gott nicht will, willer auch nicht, was aber Gott thuet, das thuet er auchmit Ihm, er wirket alle Dinge mit Gott. Zu solcherunaussprechlichen Vollkommenheit verhilft uns das täglicheSterben.
§. 29 .
Die sind also wahrhaft selige Menschen, die Gott zudiesen: leidenden Leben geführet und zugelassen hat; dennje mehr sie leiden, dulden und tragen, je öfter und viel-seitiger sie sterben, um so herrlicher und größer sind dieGnadenschätze, die ihnen mitgetheilet werden. Hätte dem-nach die wahre Armuth des Geistes sonst auch kein wei-teres und größeres Heil für uns, als daß sie uns zumtäglichen Sterben leitet, treibet und führet, und vadurchalle Gnaden Gottes spendet und mehret, so sollten wirsie schon deshalb einzig erwählen und sie uns eigenmachen.
§. 30 .
Die vierte Ursache, die uns zur Liebe der wah-ren Armuth des Geistes bringen soll, ist die Vollkommen-heit eines schauenden Lebens. Denn so lange der Menschgebunden ist an das Irdische und an dessen Besitz, solange muß er ein thätiges Leben führen; er hat Pflichtenund mancherlei Gegenstände, die er beschäftigen will und