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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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wo du so sterben kannst. Aus jedem Tode sprosset direine neue Gnade, und aus allen alle und jede Gnadenund Gaben. Verstünden wir, welch Heil in diesem Ster-ben liege, wahrlich, wir drängten uns bei, als ob unskönigliche Würde zugetheilet würde; so sind wir aber lei-der! so blind, daß wir gerade unserem größten Vortheile,unserem höchsten Heile am meisten entfliehen und demnachjagen, was unser schädlichstes Verderben ist.

§. 26 .

Drittens setzet uns dieses beständige Absterben involle Reinheit und Lauterkeit, entnimmt der Seele diesündliche Gebrechlichkeit, entleeret sie alles Vergänglichenund machet sie so Gottes allein empfänglich. Gott istnämlich in allen Dingen gegenwärtig; entfernest du nunaus ihnen alles, was nicht Gott ist, dann bleibetdir Gott allein. Reinige dein Herz von allem Ungött-lichen, so hast du Gott allein darin. Zu dieser Reini-gung, zu dieser Entledigung gelangest du aber einzig durchdieses Sterben. Diese Entblößung der Seele von allerAnderheit machet sie Gottes empfänglich; denn so wieGott der Vater Seinen Sohn gebühret in der Gottheit,so wird der Sohn Gottes, geboren in einer reinen Seele,und die Seele wird wiedergeboren in Gott. Davon sagtChristus in den Worten : Es sey denn, daß ihr wie-dergeboren werdet, sonst könnet ihr nicht eingehen in dasReich Gottes."

§. 27 .

Viertens, wenn nun Gott durch solches gottlicbendeSterben in der Seele geboren ist, so entnimmt Er denGeist von der Seele, führet ihn hinan und hinein in daserhabene Dunkel Seiner Gottheit, überkleidet ihn mit SichSelbst, und der Geist wird gottähnlich, entwird sich durch-aus, vergessend seiner und alles Geschaffenen, und ge-

*) Jvh. 3, S.