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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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§. 16.

Gottes Werk aber in der Seele ist zweifach, daserste ist ein Werk der Gnade, das andere ist we-sentlich und göttlich; das erste ist die Einleitung zumzweiten. Mit Seiner Gnade wirket zuerst Gott und zie-het den Menschen vom Wege der Sünde auf jenen derTugend, Er machet dem Herzen die Sünde verabscheuungs,würdig, die Tugend aber ihm angenehm und werth. DieseGnade Gottes machet den Menschen Gott wohlgefällig,durch sie entziehet er sich dem Vergänglichen, sie giebt ihmMuth und Freude zur Tugend, in der er sich denn mitErnste'und nach Kräften übet, den Weg der Vollkommen-heit beschreitet und so zur Kenntniß des Willens Gottes mitden Menschen gelanget, dem zu leben er sich denn bereit-willigst dargiebt. Das Zweite, was Gott in der Seelewirket, ist das sogenannte wesentliche Werk. Ist derMensch durch Wirkung der göttlichen Gnade so weit geför-dert, daß er sich in allen Tugenden, welche Pflicht, Liebeund Zufall von ihm forderten, grübet, ja sich ausgeübet hat,dann ist ihm die Tugend zum Wesen geworden, dann wirketGott in wesentlicher Weise in ihm alle Tugenden, nämlich,Gott der himmlische Vater gebühret nun Seinen Sohn indes Menschen Seele. Diese göttliche Geburt erhebet die Seeleüber alle geschaffene Dinge hin in Gott, selbst über dieGnade, denn nun stehet die Seele höher, denn diese, weilGott wesentlich in ihr wirket; nicht zwar, als wenn dieerste Gnade sie verließe, sie bleibet ihr, sie richtet, ordnetdie Kräfte des Menschen und pfleget die göttliche Geburt inder Seele. Dieses unmittelbare Wirken Gottes in derSeele ist nun das wesentliche Werk Gottes, was er-habener und edeler ist, als selbst die Gnade, es übersteigetweit allen Verstand und alle Vernunft; die Gnade wirdverwandelt in das Licht der Glorie, und der Menschengeistist in Gott aufgenommen; er ist eingegangen in Ihn, mitIhm wirket er nun alle Dinge wesentlich; seine Werke sindGottes Werke und Gottes Werke seine, denn Zwei sindEines geworden. Das fasset nun die Vernunft mit ihren