Druckschrift 
Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
Seite
119
Einzelbild herunterladen
 

119

ln'n IN sich wirken lassen; nur was Gott pflanzet, ist eurehimmlische Pflanze, wie es der Herr gesagt hat I:Jede' Pflanze, die der himmlische Vater nicht pflanzet, wirdausgerissen werden und verderben;" und abermal:ohneMich könnet ihr nichts (Gutes) thun." Greife mit Ei-. gemnacht nicht in Gottes Werk, gehe dir selbst aus, lasseIhn allein wirken und störe Sein Werk nicht; thuest dudas, dann wirst du vollkommen, und diese Vollkommen-heit ist Gottes und nicht dein Werk, ohne Ihn bist dunichts, ohne Ihn wirst du nichts, ohne Ihn vermagst dunichts; thue was du willst, wirket es Gott nicht, es tau-get nichts. Weißt du, was Jakobus spricht?Alleguten Gaben und alle vollkommenen Gaben kommen vonoben, vom Vater des Lichtes "

§. 15 .

Willst du wissen, woran du erkennen könnest, ob deineWerke von Gott oder von dir selbst gewirker seyen, somerke Folgendes: Es sind drei übernatürliche göttliche Tu-genden, Glaube, Hoffnung und Liebe; was immer nundiese drei in deiner Seele mehret und stärket, das -st vonGott; was sie hingegen mindert und schwächet, das istvom Menschen. Merke auf die untrügliche Regel, siewird dich die Wahrheit lehren; denn alles, was derMensch aus sich wirket, das kehret und lenket er auchauf sich selbst und auf die Jeitlichkeit, und so mehret ergewiß die drei erstgenannten Tugenden nicht; was aberGott in ihm wirket, das ziehet den Menschen von sichselbst ab, führet und leitet ihn hin auf die Ewigkeit undzu Gott, wodurch denn Glaube, Hoffnung und Liebe al-lerdings gestartet und gemehret werden.

*) Matth. -5, >3.

Wenn Christus eigentlich und lauter in uns leuchten soll, sagt der-selbe Laulcr in der Predigt auf den >. Sonntag nach 3. Kön., so mußAlles allein aus Gott von innen her in uns seyn und quellen; alles un-ser Wirken muß da liegen^ und ruhen, und die Kräfte der Seele müssennicht unserer, sondern altern göttlicher Wirkung dienen.

I