118
ist ein Wirken nach außen, und alles Erschaffene ist SeinWerk. Wie nun die Kreatur von Gott als ibrcm Ur-sprünge ausgegangen ist, so sott sie in Ihn wieder zurückkeh-ren; darum wirket Gott in der Seele, daß Er sie wiederzurückbringe in ihren ersten Ursprung, von dem sie ausge-gangen ist; und weil sie aus eigener Kraft in diesen ihrenersten Ursprung nicht zurückkommen kann, so ist es für sieunumgänglich nothwendig, sich dergestalt zu befähigen, daßsie der Einwirkung Gottes empfänglich werde, um so inihren Ursprung und zu ihrem Ziele und Ende, zu Gottnämlich wieder zu gelangen. Das ist das „Eine Noth-wendige", von dem Christus sagt, ohne welches wir nichtzu Gott kommen können '-ch
8 . 14 .
Kann nun der Mensch mit seinen Werken nicht zu Gottkommen, fragest du nun, was nützet ihm denn sein Wir-ren ? Ich sage dir: nicht nur nicht gelanget der Menschmit seinen eigenen Werken zu Gott, sie hinderen ihn viel-mehr daran; denn alles, was der Mensch wirket aus sichselbst, ist gebrechlich und fehlerhaft, und in solchem Wirkenvermag er nicht zu Gott zu kommen; alles Geschaffene istgebrechlich, und seine Werke sind eben so. Will demnachder Mensch, und soll er zu Gott wieder kommen, so mußer sich alles eigenen Wirkens entlediget haben und Gott al-
*) Ich begehre und eile, wieder in meinen Ursprung zu kommen durchden Weg, durch welchen ich hergekommen bin. Der Ursprung ist in dirselbst, o Mensch! suche ihn! nachdem du zu ihm gekehrcr bist, nachdem er-leuchtet er dich und offenbaret sich dir, als wenn sonst niemand wäre, demer sich zeigen könnt»', als dir. Bist du weise, so suche ihn in dir, duwirst ihn finden, wie die Sonne in der Luft. Wahrlich, er ist in dir,wie ein Funke im Feuer, und wie das Eisen, so lange es im Feuer bleibt,Feuer ist, so bist du, o edele Seele, in Gott durch Gnade, so lange du inder Liebe bleibest. Du wirst Ihn finden, so bald du alle Kreaturen ver-lassen wirst. Nun wirst du sagen: ich glaube und bekenne nun, daß Erin mir sey, Den ich vergebens gesuchct habe in euch. Jetzt habe ich Ihngefunden und will Ihn nimmer iassen, ich will Ihn einführen in dieKammer meines Gedächtnisses, in die Kammer der Ruhe, ins Bette desFriedens, in welchem ich mit Ihm ruhen will; da wird Er mich verber-gen in seiner Hütte, d. i. in Seiner Menschheit und im VerborgenenSeines Hauses, d. i. Seiner Gottheit. Siehe die evangelische Perle rc.iy. Kap.
>