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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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§. 10.

Und die sind denn auch die ächten Liebhaber Gottes,die Gott lieben aus ganzem Herzen, die Ihm zu Liedeallem Irdischen entsagen, das schwache, zum Leiblichennoch immer, obgleich nur leise hinneigende Herz dem-selben mit Gewalt entreißen, es Gott zmn Opfer brin-gen und so in der That beweisen, daß sie Gott liebenaus ganzem Herzen. Sie lieben auch Gott ausganzer Seele, sie übergeben Gott ibr eigen Leben;denn die Seele ist des Leibes Leben, und dieses Lebenwenden sie einzig zur Verherrlichung Gottes und SeinesWillens an. Auch aus allen Kräften lieben sie Ihn,sie stellen alle Scelenkräfte unter die Zucht der höchstenVernunft und Weisheit, ordnen und richten sie alle aufdas Eine und dringen so in Gott ein, und weil sie alleschweigen, so kann Gott in ihnen ungehindert sprechen,und was Er dann spricht, ist göttliches, unaussprechlichesWirken. Sie lieben auch Gott aus ganzem Gemü-the; ihr Gemüth nämlich erhebet sich über alles Erschaf-fene, dringet ein in das »»erschaffene, höchste Gut, inGott und verlieret sich in diesem verborgenen Abgrundedes uncrforschlichen Gottes, entwird sich selbst ganz undwill sich aus diesem unermeßlichen Abgrunde, aus dieserunnennbaren höchsten Seligkeit nicht ferner für etwas Ver-gängliches herausfinden. Wie der Stein, geworfen inein grundloses Meer, immer und immer fallen und sin-ken müßte und nimmer geholet werden könnte, da ernirgends ruhet und seinen Endpunkt nicht gefunden hat,eben so geschieht es dein Gemüthe, das sich eingesenkethat in den Abgrund der Gottheit: es versinket und er-reichet den Grund doch nicht, denn der Grund ist uner-schaffen und ewig, nicht ein endlicher Grund, wie allesGeschaffene; es ist ausgegangen von diesem und kannvon ihm nie mehr ergriffen oder gehalten werden, es istin Gott, es schwebet und lebet ewig in Ihm, es kannaus Ihm nimmermehr kommen, so wenig wie der Steinaufwärts kann kommen aus eigener Kraft. Das begrest