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je mehr und mehr zu läuteren und zu reinigen, das mußsein Wille und sein Geschäft seyn bis an sein Ende. Derinnere Mensch aber, der die Tugend wesentlich besitzet,bedarf keiner mehr in dem Sinne, daß sich die Zahl derTugenden in ihm mehre; er hat das Wesen der Tugend,die Tugend in sich selbst, somit alle und jede besondere Tu-genden; nur die Liebe zur Tugend kann und soll in ihmwachsen, so nimmt auch die Liebe zu jeder besonderen Tu-gend in ihm zu, und diese Liebe zur Tugend wird sie im-mer mehr läutern und reiner machen. So wird die Sündemit der Tugend überwunden.
§. 6.
Der zweite Gegenstand der Verläugnung und Töd-tung des Menschen an seinem Ich ist die Liebe der Krea-turen; die überwindest und besiegest du mit der Armuthdes Geistes, die, wie du weißt, nichts anderes ist, als:Ausgehen seiner selbst und alles Irdischen. Thuest du das,dann haft du die ganze Welt verschmähet; die wird dichnun auch weidlich wieder verschmähen, und so seyd ihrdenn beide geschieden. Die Welt greifet nach dem Ihrigen,nimm du das Deine, Gott und Seine Liebe; was Er danngiebt, ist Seine Gabe, sey es, was es sey, Geistes oderLeibes Noth, du nimmst es hin, denn Er giebt's; und mei-nest du, das oder jenes, sechs nun schlimm oder gut,komme von jemand anders, denn von Gott, dann bist dukein wahrer Geistesarmer. Das Gute, was man so nen-net, kommt schon einmal gar nicht von den Menschen andich, denn nimmermehr ist die Welt dem wahren Geistes-armen günstig; wären es Einzelne doch, so glaube sicher,das habe die Kreatur nicht, sondern Gott habe es gethan;sie ist von Gott, diese Gabe, und darum ist sie gut undedel. Deine Freunde, durch Blut und Natur mit dir ver-bunden, entziehen dir ihre natürliche Liebe; was sie dirLiebes etwa noch erweisen, ist nicht ihre Liebe, ist GottesGnade durch sie an dich. Darum hat die Gabe, einemwahren Geistesarmen gegeben, so großen Lohn in sich;nicht der Mensch giebt, es ist Gottes Gnade durch den