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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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Folge ziehen und sagen wolltest: wenn es das Höchsteund Beste ist und der gerade Weg zur wahren Vollkom-menheit, Schweigen, jeder Beschäftigung und jeden: Wir-ken nach Außen zu entsagen und einzig und allein mer-ken, was Gott in die Seele spricht, dann muß ich wohlauch jede äußerliche Tugenvhandlung, würde sie auch die.Nothdurft oder die äußere Pflicht von mir fordern, un-terlassen, weil ich sonst Gottes Wort in mir und SeinSprechen nur stören und hindern würde? Willst dudie Sache so nehmen, dann hast du sie gar gefährlichund arg mißbrauchet. Wann offenbare Pflicht, Liebe desNächsten, folglich Noth von deiner oder eines AnderenSeite dich zur Thätigkeit, zu einer äußerlichen Tugend-handlung, zur Hülfe, oder Beistand u. dgl. auffordern,da sollest uno müssest du wirken; unterließest du es, dannerfülltest du nicht Gottes Willen, du fröhntest nur deinemEigenwillen, in welchem du noch befangen bist '). Bistdu doch bei weitem noch nicht dahin gekommen (und wieWenige, oder auch nur Wer hienieden gelanget dahin?),dich in allen und jeden Tugenden ganz, durchaus ganz,ausgewirket und ausgeübet zu haben? Ist für dich keinGegenstand, gar keiner, außer dir zu wirken, da? Istdir denn schon die Tugend, der Inbegriff aller tu-gendhaften Handlungen, zum Wesen, die zufällige,wie wir sie oben nanntesi, zur wesentlichen Tugend ^

*) Der heilige Franz von Sales sagte seiner geistlichen Tochter, dergottseligen Franziska von Chantal: Immer müssen wir mit Gott vereini-get seyn; werden wir aber znm Dienste unseres Nächsten mit einigen Ge-schäften beladen, dann sollen wir diese Arbeit als das beste Gebet ansehen.Und derselbe Taulcr sagt in der Aleäulln sirimae : Wenn der Mensch

auch in so großer Contemplation wäre, als die heiligen Petrus und Pau-lus. und wüßte einen armen kranken Mensche», der eine Suppe, odersonst was begehrte, so wäre es viel besser, daß er seine Contemplationunterließe, und dem armen Menschen in großer Liebe diente: denn man

soll die Gebote Gottes um keiner Uebung willen fahren lassen, sie sey auchso groß, als sie wolle. Es ist Gott lieber, daß man Gott um Gotteswillenlasse, und Seinen Gliedern diene. Darum soll man nicht meinen , alswürde durch ein Liebeswerk etwas Gutes versäumet; denn was aus freiemund gutem Willen unterlassen wird, das wird viel edeler wieder gegeben,wie Christus sagt:Wer Etwas um Meinetwillen verläßt, der wird eshundertfältig wieder empfangen.""