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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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noch mehr verzichtet seiner selbst und seines eigenen Willens;er hat keinen mehr, Gottes Wille ist seiner geworden. Er-wäge nur, was Eigenwille, und was gottgelassener Willesey? Der Eigenwille meinet und suchet überall, inleiblichen wie in geistlichen Dingen, nur sich selbst, er haf-tet an ihnen, seyen sie, was sie seyen, sowohl äußerlichals innerlich: denn Eigenwille ist allenthalben noch da,wo der Mensch noch hinneiget auf die Kreatur und aufdie Zeit, so wie Entsagung des Eigenwillens nichts ande-res ist, als äußerlich und innerlich, nach Leib und Seele,Entsagen allem, was Gott nicht ist, mit gehöriger Weis-heit und Bescheidenheit.

§. 93.

Jener Vorwurf des Eigenwillens mag wohl jene so-genannte geistreiche Leute treffen, die auf gewissen An-sichten der Lehre, oder des Lebens mit Eigensinne haf-ten, die ihrer Vollkommenheit oder ihrem geistlichen Wachs-thume schädlich und hinderlich sind, was sie nun freilichnicht einsehen, und eben weil sie eigensinnig sind, auchbelehret und gewarnet von anderen, nicht einsehen wol-len. Ihrem Kopfe nur folgen sie, wie es ihnen behagetund wohlgefällt, wirken sie, und hindern so sich selbst anihrem Besserwerden; ihre Meinung, ihr Sinn und ihrWahn, wie grundlos und leer immer, müssen die wah-ren seyn; selbst wo sie Wahrheit erkennen und sie haben,wollen sie durchaus nicht zugeben, daß ein Anderer sieeben so erkenne und besitze, wie sie, sintemal sie die aller-meiststen sind. Werden sie vollends Erfinder einer neuenAnsicht, dann grünen die Lorbeern, dann tönen die papier-nen Trompeten, die Herren sind Wcltcnschöpfer gewor-den; was um sie her ist, ist Vieh, ist unverständigerTroß und Pöbel-Seele.

§. 94.

Doch nur Wenige sind so ekelhaft eitel; die Besserenim Chöre des Eigensinnes bestehen nicht so eisenfest auf