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der Seele ist erstens Leben; wo dieses Leben ist, da istgöttliche Kraft, durch welche und in welcher der Menschalles vermag, wie Paulus sagt: „Ich vermag alles inDem, Der mich stärket." Dieses Vermögen des. Apostelswar nichts anderes, als das Unterlassen und Verlä:,gnenalles Ungöttlichen und ein Ergreifen alles dessen, was zuGott führet; das Eine wie das Andere ist die lebendigeKraft, die Gott dem Menschen giebt; mit dieser Kraftüberwindet er die Welt und alle ihre Thorheiten und Täu-schungen. Dieser Sieg über alles Vergängliche und Fal-sche führet ihn in das wahre Leben ein, das Gott ist; seinLeben ist nun kein irdisches, gebrechliches, es ist ein gött-liches Leben; die Seele ist gegründet und gleichsam ge-pflanzet im göttlichen Leben, jeder andere Grund und Bo-den muß und wird ausgeworfen werden; was die Kreaturpflanzet, ist tödtlich und verderblich, das entfernet nun dieSeele aus sich, denn Tod und Leben können nicht miteinander bestehen; Gottes Pflanzung ist Leben, diesem hul-diget sie und lebet. Dieses Leben Gottes in der mensch-lichen Seele kann nicht mit Worten oder sonstigen bildlichenAusdrücken beschrieben oder bezeichnet werden; der es lebetund erlebet, weiß und fühlt es wohl, aussprcchen aber laßtsich's nicht, es ist über alle Worte, der es erfahren hatoder noch erfahret, der schweiget und lebet es; und diesesSchweigen und Gott-Stillehalten ist das Nützlichste undBeste, was der Mensch thun rann. Dadurch eben wirdihm dieses göttliche Leben vermehret, dadurch wird er ge-rade der göttlichen Einsprache um so empfänglicher; willstdu es fortleben, dieses göttliche Leben? schweige, und laßGott allein reden. Nur Sein Wort ist Leben, wie der Herrsagt: ,, Meine Schafe hören Meine Stimme, und Ichgebe ihnen das ewige Leben." Dann bist du ein Schäf-lein Christi; wenn alles Erschaffene und Irdische in dirzum Schweigen gebracht ist, wenn du Gott allein hörestund Ihm stille haltest, dann vernimmst du Seine Stimme,die das ewige Wort ist, das der himmlische Vater in deine
*) Joh. 10, «7. 28.