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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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darum rief er auö „ Ich erkenne Christum den Gekreu-zigten !"

§. 68 .

Willst auch du eingehen, und in dir schauen diesenHimmel deiner Seele und darin wohnen, entsage demZufälligen und dem Gebrechlichen und wende dich indas Leiden deines Herrn; hier entgehet dir alles Gebrech-liche, der Himmel in dir öffnet sich, du schauest Gott,die Sünde und die Lockung zu ihr entschwindet in denWunden unseres Herrn. Wie Schnee schmelzet am Feuer,so schmelzet die Sünde in den siedeheißen Wunden Jesu,die Liebe verzehret sie alle, und du gehest ein in daswahre Wesen deiner Seele; hier schauest und erkennestdu ohne allen Trug die Fülle der Wahrheit: deine Woh-nung ist im Himmel

§. 6Y.

Nach dieser Erkenntniß forschten die Heiden; sie woll-ten das Wesen der menschlichen Seele ergründen, was ih-nen nicht möglich war ohne Christus, dessen sie erman-

*) i. Cor. 2, 2.

**) Der heilige Augusten in seinem Handbüchlein, isstem Kapitel, undder gottselige Hugo vom heil. Victor im qtc» Buche von der Seele,roten Kapitel, sagen: „In den Wunden des Heilandes wohne ich sicher,denn Sein Innerstes stehet mir durch die Wunden offen. Was mir man-gelt, das nehme ich daraus, weil das Eingeweide meines Herrn von Barm-herzigkeit überfließet durch die Fclslöcher, dadurch ist mir die HeimlichkeitSeines Herzens offenbar, und das große Geheimniß der Gottseligkeit.Die Wunden Christi sind voller Erbarmung, voll Liebe und Süßigkeit.Sie haben Seine Hände und Füße durchgrabcn und Seine Seite eröffnet;durch die Ritzen kann ich kosten, wie frcunolich der Herr sey, denn er istgut und fromm. In Seinen Wunden ist uns eine überflüssige Erlösunggegeben, eine Menge der Süßigkeit, die Fülle der Gnaden und Vollkom-menheit der Tugenden. Fällt mir ein böser Gedanke ein, so laufe ich zuChristi Wunden. Drücket mich mein Fleisch nieder, so stehe ich durch dieErinnerung Seiner Wunden wieder auf. Stellt mir der Teufel nach, sofliehe ich zu dem Innersten meines Herrn, und er weichet von mir. Be-weget die Unreinigteit meine Glieder, so verlöschet sie durch das AndenkenSeiner Wunden. In allen meinen Widerwärtigkeiten habe ich kein kräf-tigeres Mittel gefunden, als Christi Wunden; darin schlafe ich sicher undruhe ohne Furcht. "