75
dürfen ferner nicht Menschen, als ihre Führer, sieführet Gott, und auf dem geradesten Wege, undauf dem nächsten zum Ziele, nämlich zu Sich Selbst;auf ihrer Straße ist keine Krümme, sie sind nicht inder Fremde, sie sind in ihrer Heimath, in ihrer rech-ten Wohnung, von welcher der heilige Paulus sagt H:„Unsere Wohnung ist in dem Himmel." In welch ein Him-mel? nicht in dem, der ober uns ist, im Himmel des Gei-stes sind sie mit Paulus, das ist die menschliche Seele, inwelcher Gott wohnet und ist ; wo Er ist, da ist der Him-mel. Darum heißet es im Worte Gottes „Das Him-melreich ist in euch." Ist nun das Wesen unserer Seeleder Himmel, in welchem Gott wohnet, woher kommet esdenn nun, sprichst du, daß ich diesen Himmel in mir nichtfinden, Gott in ihm nicht erkennen kann? Daran istdeine eigene Gebrechlichkeit, dein noch nicht ganz gereinigtesGemüth schuld, das hindert dich, daß du nicht eingehenkannst in das Wesen deiner Seele; so findest du denn auchden Himmel darin nicht, Gott nicht. Die Seele ist eineinfaches Wesen; ist sie beladen und zerstreuet von diesemund jenem, dann ist sie unfähig und unempfänglich ihrerselbst. Das war nun bei dem Apostel ganz anders, erwar eingedrungen und gekommen in das Wesen seiner Seele,er schaute den Adel und die Würde seiner Seele; so fander Gott ohne alle fremde Vermittelung, deshalb konnte erwahrhaft sagen: Unsere Wohnung ist im Himmel. Daßer nicht in dem Himmel damals war, in dem er nun ist,darüber erseufzet er in den Worten : „Ich Elender!wer erlöset mich von dem Leibe des Todes? Ich sehnemich, aufgelöset zu seyn von diesem Leibe, ich möchte beiChristus seyn!" Und doch war er hienieden schon im Him-mel der Seele, er war nämlich eingedrungen in das We-sen seiner Seele, und fand und erkannte darin Gott;
*) Phil. 3 , 2v.
Luc. 17, 21.
***) Röni. b, 24. Phil. i-, 23/