68
menschen möglich? Merke: zweierlei Werke flnden wir anChristus; göttliches und menschliches Wirken. WunderundZeichen thuen, ist göttliche Kraft, die dir nicht zuzchöret,und worin du Ihm nicht nachfolgen kannst. Aber SeinWirken und Leben als Mensch ist deine Pflicht; ich zähledir dergleichen vor: arm, verschmähet und verachtet, einesdemüthigen Herzens seyn, hungern und dursten, Pein undSchmerzen leiden uno dulden, sterben aus Liebe für alle,siehe, das war das Leben Jesu des Menschen, dem dudarin gleichförmig werden sollest, wenn du Eins mit Ihmwerden willst. Diese Gleichförmigkeit ist der Grund derEinigkeit mit Ihm; so viel uns abgehet an dein ähnlichenWirken mit Christo, so weit sind wir Ihm auch unähnlich, ^folglich auch eben so weit von der bemeldeten Vereinigung !mit Ihm entfernet. Paulus sagt H: „Christi Wirken istunsere Lehre, Er hat uns durch Sein Leben und Wirken ^gelchrct, wie wir leben und wirken sollen; diese Lehre füruns ist Sein Wille, den wir vollbringen sollen; unserWille musi Sein, und Sein Wille unser Wille werden,das vereiniget uns mit Ihm; gleicher Wille, gleiche Werke,eine Vereinigung!" Der Apostel Petrus sagt : ,, Chri-stus hat für uns gelitten, daß wir Seinen Fußstapfen nach-folgen; und wie Er gewandelt hat, sollen wir auch wan-deln." Willst du einst zu Gott kommen im Himmel, trete ^Ihm nur emsig nach hier auf Erden. Wohl recht spricht ^der heilige Bernardus: Viele möchten wohl wandeln mitChristo im Himmelreich, aber sie wollen ungern mit Ihm !leiden auf dem Erdreich; die werden nimmermehr Eins mir 'Ihm. Wo wahre Vereinigung ist, da ist auch gleicheWirkung; wirkest du nicht mit Ihm, dann bist du gewiß ^gesondert von Ihm; weißt und verstehest du Seine Rede: ,„Wo Ich bin, sagt Er , da soll auch Mein Dienerseyn." Dienest du Ihm, dann wirkest du auch mit Ihm,
*) 2. Cor. 4, —1>>
**) i. Pet. 2, 2i.
***) Joh. >2, 26.