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Willst du es kennen, dieses köstliche, einzige Werk Got-tes in der menschlichen Seele? Es ist nichts anderes, alseine Offenbarung Gottes in der Seele, da SichGott der Seele zeiget; Gott ist der Wirker und das WerkSelbst, was Er wirket, ist Er selbst; darum hat Er ihrentzogen alle Dinge, daß sie einzig Seiner und SeinesWerkes empfänglich und fähig sey. Dieses Empfänglich-seyn, diese Fähigkeit, dieses Werk Gottes machet dieSeele zu eine m Geist mit Gott, und das ist ja der aller-liebste und sehnlichste Wille Gottes; was Er von uns ver-langet, daß der Mensch immer so stehe und sey, damitGott ungehindert in ihm wirken und Er Sich mit ihmvereinigen könne, das hat Er ja genug entdecket mit denWorten : „Meine Lust ist, mit den Menschenkindernzu seyn."
§. 62 »
Zu dieser Vereinigung mit Gott tragt vorzüglich dieNachfolge des Lebens Jesu Christi bei. Christus ist imwahren Sinne Eins mit Gott. Willst du nun ein Geistwerden mit Gott, dann strebe zuerst, Christo gleichförmigund ein Geist mit Ihm zu werden, was dir aber nur dannmöglich ist, wenn du daran bist, nach Kräften, und soferne es der Merisch fähig ist. Ihm in Seinem Wirken alsMensch ähnlich zu werden; dazu hat Er Selbst uns aufge-fordert mit den Worten: „Lernet von Mir!" Und inkeiner andern Absicht hat Er das gesprochen, als: wir sol-len uns mit Ihm vereinigen; darum bat Er zum Vater„Vater, ich bitte, daß sie eins mit uns werden, wie duund ich eines sind." Dieses Einswerden mit Christus istein Wirken mit und gleich Ihm. — Sprichst du : wie ver-mag ich das? Er war Gott und Mensch, und ich bin einbloßer Mensch, wie ist mir gleiches Wirken mit dem GotK-
*) Sprüchw. 8, 3i.**) Ich. >7,