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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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Wohl kann man leiblich arm, und doch ein Sünder seyn;der Sünder aber ist niemals geistlich arm, folglich auchnicht Erbe der Seligkeit. Es ist hier die Rede, daß derMensch selig werde; dazu ist nöthig: nicht haften und han-gen mit Neigung am zeitlichen Gute, es sey nun viel oderwenig. Dieses Anhangen, dieses Hingeben der Neigungzum Irdischen schließt von der Seligkeit aus, indem es dasHerz von Gott abziehet. Die Vollkommenheit aber,von der hier gesprochen wird, steigert ihre Forderung hö-her; Christus sagt von dieser Vollkommenheit: ,, Willst duvollkommen seyn, so verkaufe alles, was du hast, gieb esden Armen und folge Mir nach." Er fordert von denVollkommenen nicht nur Armuth des Geistes — die zurSeligkeit nothwendig ist, Er fordert auch Armuth des Lei-bes, nämlich: Abgebung alles Irdischen, bis hin zur un-entbehrlichen, wahren Nothdurft; darum sagt Er : Ver-kaufe Alles, was nämlich zum täglichen Unterhalte nichtunmittelbar nöthig ist. So hatten Petrus und die Apostelalles abgegeben "), nur was sie mit ihrer Hand, wie Pau-lus sagt, verdienten^), war ihre Nothdurft, die unterdas zu Verkaufende nicht gehörte; und sie konnten sagen:„Wir haben Alles verlassen." „Und gieb es den Armen",fährt Christus fort; den Armen, sagt Er, die dessen be-dürfen, und die zu unterstützen die Liebe und die Tugendfordern, die dir auch nichts wiedergeben und vergelten kön-nen: denn Gott will dir es vergelten, und Seine Wicder-vergeltung nur ist eine vollkommene Gabe, denn sie selbstmachet dich vollkommen. Giebst du es aber den Reichen, diees nicht bedürfen, und die es dir wiedervergelten können undwerden, dann machet dich diese Gabe nur unvollkommen,weil dir Gott das nicht wiedervergelten will, was Men-schen schon vergolten und ersetzet haben. Und: „ Folge Mirnach." Lasse deinen auffern und innern Menschen armseyn.

*) Matth. iy, 27.

Ap. Gesch. 20, 3 .;.