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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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Wahrheit, weiß sie den wahren Unterschied eines jedenDinges, und sieht folglich ein, daß alles Irdische vergäng-lich, eitel und gebrechlich sey, erkennet sie im Lichte desGlaubens, daß sie im Gegentheile unsterblich und ewigsey, dann erschrecket sie vor sich selbst, entsaget dem ver-gänglichen Truge, wendet sich vom Verderben zu Gott,von der Zeit in die Ewigkeit. In diesem Sehnen, in die-ser Eile, in dieser Rückkehr zu Gott reißet sie die sinnlicheBegierde zu sich, einiget sie mit sich, so zwar und so er-greifend, daß ferner die Sinne nichts begehren, als nurdas, was die Seele und der Geist will; sie werden ihrdienstbar, der Leib folget der Seele und wird ihr Unterthan;wohin sie sich nun wendet, dahin folget der Leib, und jedeGabe, und jede Gnade, und jeden Trost, den nun Gottder Seele giebt, theilet diese dem Leibe mit, was ihm dannselbst weit tröstlicher und erfreulicher ist, als alle Tröstun-gen und Ergötzlichkeiten der Welt. Dieser göttliche Trostgiebt ihm die nöthige Starke und das Vermögen, Alles,auch das Härteste um Gotteöwillcn zu leiden und zu über-nehmen. —

So wie aber die Seele den ihr gewordenen göttlichenTrost dem Leibe mittheilet, so fordert sie auch von ihm,daß auch er, wie sie gethan, dem Vergänglichen seinerseitsabsage, was nun der sinnlichen Natur wehe thut und zurDual wird. Dieses Wehethun ist nun das obengcnannteWiderstreben und Widersprechen des Fleisch.'s gegen denGeist. Aber obgleich fühlend das Harte der Aufforderung,gehorchet er doch dem Geiste, wie dieser ihm zuvor folgtein Anhänglichkeit seiner zur irdischen Lust; und wie es zu-vor dem Geiste widerlich und drückend war, in seiner Ver-blendung des Leibes Gehülfe zu seyn, eben so lästig ist es nundiesem, gegen feine natürliche Neigung dem Fluge desGeistes zu folgen, obgleich er es denn doch thuet. Giebtendlich der äussere Mensch dem inneren sich ganz und voll-kommen hin, einigen beide sich innigst, dann geschieht dieVereinigung beider mit Gott, der Kampf ist geendet, auf-gehoben der Streit, reiner Friede, ein Wille ist geschaffen!Ein heiliges Ehebündniß, Mann und Weib, nicht mehr