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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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lus') : „Das Fleisch begehret wider den Geist, und der Geistwider das Fleisch?" Haben solche widersprechende Begierdennicht auch ähnliche Folgen? Wie vermag der innere Mensch— der Gcist'zur Herrschaft über den äuffern — das Fleischgelangen ? Ich antworte: Der Mensch lebt in zweifacherHinsicht, sein Leib lebt in der Zeit, der Geist in der Ewig-keit; woher nun jedes urständet, dahin strebt es auch wie-der : der Leib, gestaltet aus Erde, und geworden in derZeit, neiget sich auch wieder auf zeitliche und irdische Dinge,und suchet seine Lust in ihnen; der Geist aber, gekommenaus dem ewigen Gott, sehnet sich nach Ihm, mochte wie-der eingehen in Ihn und der Ewigkeit angehören. Ausdiesem widersprechenden Hinneigen nun des Fleisches unddes Geistes entstehet ein wechselseitiger Kampf; nun sindLeib und Geist in der nähestcn Verbindung mit einander,und machen ein Wesen aus; was sich so nahe ist , haltetsich gewöhnlich auch zusammen, eben so der Leib und dieSeele, sie sind sich wechselseitig ergeben. Wählet nun dieSeele, geblendet vom falschen Scheine, ein Scheingut stattdes wahren, sogleich reget sich die Sinnlichkeit, die es mitLust und Wohlgefallen ergreifet, die getäuschte Seele, mitdem Leibe so nahe verbunden, williget ein, sie hält denSchein für Wahrheit, für ein wahres Gut, und giebt sichhin; nun glaubet sie beruhiget zu seyn, aber sie findet dieseRuhe nicht: denn nimmermehr können Scheingüter denGeist beruhigen. Sie strebt nun weiter, sehnet sich nachdem Wahren und Bleibenden, aber, gehalten von denBanden des Fleisches, beraubt des wahren Lichtes, kannsie nicht dahin kommen; so gesellet sie sich denn dem Fleischezu, tritt aus ihrem ursprünglichen Stande der Unsterblich-keit und Ewigkeit, wird sündhaft, verderblich und gebrech-lich, wie der Leib, und auf sie passen leider! die Worte derSchrift'"): „Du hast den Namen, daß du lebest, aberdu bist todt."

Gelanget aber die Seele wirklich zur Erkenntniß der

') Gal. S, 17.Offcnb. 3 , 1.