5l
auf den Anderen, und was der Mensch natürlich liebet,das liebet er seinetwegen und aus Lust seiner Natur;würde es ibm selbst nicht behagen, er würde dazu keineNeigung in sich finden. Die Bekehrung des Engels aberweiset den Menschen von sich und allen andern Dingen abund sichrer ihn bin zu Gott, auf den Alsts bezielet wird.Jene beziehet Alles auf sich selbst und meinet und begünsti-get überall nur sich, und das ist unser altes Erbe vonAdam; diese hingegen verläugnet sich selbst, richtet ihrAuge einzig auf Gott, und das ist unser neues Erbe durchChristus. Hangest du nun irdischen, zufälligen und aus-serlichen Dingen an. dann handelst du wie Adam; gebestdu aber mehr in dich selbst ein, und bist du selbst dirdeine eigene Liebe und Lust, so treibest du es mit dir,wie Lucifer mit sich selbst, dessen Sünde geistig, dagegenAdams Vergehen leiblich war, und deshalb das Verbrechendes Erstern schwerer und größer war , als jenes des Zwei-ten. Diese richtige und wahre Ansicht muß bei Beurthei-lung aller Versündigungen des Menschen beibehalten wer-den: denn schwerer ist die Sünde und größer der Falldessen, der mit Eigenliebe innerlich nur aus sein Ich ein-gehet, und dieses sich zu seinem Gott machet, als dessen,der seine Neigung an das Zufällige und Vergänglichehangt. Bist du aber deiner Selbst und alles Zeitlichenund Irdischen entlediget, dann bist du, nach dein engli-schen Bilde, in die Aehnlichkeit Christi eingegangen, nachjenem englischen Bilde, welches uns Christus vom Him-mel herangebracht hat; das ist demnach der Unterschiedzwischen den Bildern, die uns der Engel, und jenen,die uns die Natur giebt. Natürliche Bilder zielen nachLust der Natur, und zwar der durch Adams Fall ver-derbten Natur, die engelischen hingegen führen zur Tu-gend, lehren die vergängliche Lust verschmähen und gebendem Herzen die Richtung zu Gott. Ganz entgegen gesetzetdiesen sind die Vorbildungen Satans, die zwar eine Aehn-lichkeit mit den natürlichen Bfidcrn und Vorstellungenhaben, die aber der Teufel durch seine Einmischung ver-dirbt: denn sobald der Mensch, befangen mit sinnlichen