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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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um so gewisser kannst du überzeugt seyn, auch frei vonden ihr entgegengesetzten Fehlern zu seyn; so lange duobne Tugend bist, so lange wirst und kannst du Fehlerund Sünde nicht meiden, volle Tugendübung nur ist auchvolles Sündemeiden. Fliehest und vermeidest du die Sünde,dann hast du wenigstens die Tugend nach dem Willen, wonicht gleich ganz nach den Werken, findest du aber keineTugend in dir, dann sey überzeugt, daß du tief in derSünde steckest.

Das Sprechen des Engels im Innern geschieht zwarauch durch bildliche Gestalten und Vorstellungen, sie sindaber nüklich und gut, und führen den Menschen auf denWeg der Wahrheit, und ohne sie würde der Mensch kaumwahre Tugend wirken. Bedarfst du nun solcher Vorstel-lungen und Bilder, dann darfst du dich ihrer nicht ent-ziehen, entsagtest du ihnen, du würdest dann die rechte,gehörige Ordnung, die nöthige Bescheidenheit in deinemtugendlicben Wirken nicht beobachten können, und folglichwenig ächt Gutes thun; denn diese Bilder wirket dieGnade, sie kommen von ihr und hindern dich keines-wegs an deinem wahren Besten, sie fördern dich viel-mehr dahin: was das Auge für den Leib ist, daß ernicht anstoße und falle, was der Sehende dem Blinden'ist, daß er nicht in eine Grube stürze, das leisten siedir, indem sie dich vor Fehlern und Mangeln bewahren.Das meine und behaupte ich aber nicht von allen und jedenBildern, denn nicht jedem derselben dürfen wir uns hinge-ben, einigen müssen wir sogar entsagen als wirklich schäd-lichen, jenen nämlich, die uns abführen von der göttlichenWahrheit; die uns aber zu dieser leiten, die sollen wir mitEhrfurcht ergreifen und ihrer Führung uns lassen. — Des-wegen müssen wir den Unterschied zwischen natürlichen eng-lischen und teuflischen Bildern kennen, der wirklich großund sehr verschieden ist. Die natürliche Erkenntniß führetden Menschen auf sich selbst zurücke, er prunket und pran-get mit ihr, er meinet sich selbst nur damit und bleibet nurin und bei sich stehen, das ist des Menschen gemeine Na-tur, die sich immer nur kehret auf die Liebe zu sich, selten