das Verstehen und Erfahren der Wirkungen Gottes undSeiner Früchte im menschlichen Herzen; und nach diesemWirken Gottes und Seiner Früchte in ihm, die derMensch in seinem Innern erfahret, kann er alle anderenWerke und alle Früchte, die von Gott nicht sind, ermes-sen, schätzen und prüfen: denn Gottes Wirken ist freuden-reich und lieblich, Seine Früchte sind süße, das Wirkender Kreatur hingegen ist freudeleer und ihre Frucht istherbe und bitter. Am süßen Apfel, den du issest, erken-nest du den sauren, den du gegessen hast; haft du Gottund Seine Lieblichkeit gekostet, dann erst weißt du, wiebitter alles Uebrige ausser Gott ist; deshalb sagt Christus:„Lernet sie an den Früchten erkennen." Und so zeigetsich der Unterschied zwischen natürlicher und göttlicherWahrheit.
§. 53.
Die dritte Anregung im Innern des Menschen ist dieZuspräche des Engels. Sein Einsprechen gehet auf Tugend,führet zu ihr und zu Gott, es lehret den Menschen, wieer die Tugend üben soll mit Bescheidenheit uno in gehö-riger Ordnung, es führet den Anfänger zur Buße undReue, den Fortschreitenden zur innern Sammlung undzum Gebete, den Vollkommenen läßt es die SüßigkeitGottes und Seine Wonne kosten, es zündet im Herzenein Licht an, daß der Mensch unterscheiden könne dasWahre vom Falschen, Las Gute vom Bösen; und deinEngel zeiget dir nicht nur die Tugend und wie du sieüben sollst, er lehret dich auch, was Untugend und Feh-ler ist, und wie du sie meiden kannst und sollest, undje deutlicher und gewisser du den Fehler und das Gebrechenkennest, um so klarer wird sich dir die Tugend zeigen,wie du die weiße Farbe am besten erkennen kannst durchdie schwarze. So vermagst du die Fehler und Untugendzu meiden, und jemebr du diesen entsagest, um so nahergelangst du zur Tugend, und sie zu dir; denn tugendhaftist ja doch nur der, der jeder Untugend und Sünde ent-saget hat; und jemebr der Tugenden du in dir findest,
4