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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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darum rathet er zu solchen unordentlichen, über alle Be-scheidenheit und Maas getriebenen Uebungen, da dock diewahre Tugend nur in der gehörigen Mitte bestehen kannund jedes Uebermaaö vom Bösen ist und zum Bösen lei-tet, so daß der arme Verblendete zuletzt weder sich, nochseinem Nächsten, noch Gott dienen kann; und das ist dieböse Absicht des Versuchers, den Menschen mochte er nachLeib und Seele zu Grund richten.

Hält sich aber der Mensch in diesen tugendlichen Uebun-gen in gehöriger Schranke und treibet sie mit Bescheiden-heit, so ruhet denn der falsche Licht-Engel doch noch nicht;er reget ihn zur höher» Vervollkommnung an, der Menschfolget diesem Triebe, steiget von Tugend zu Tugend, ent-lediget sich von Fehlern und Gebrechen und wird rein.In dieser Reinheit gehet in ihm eine große Erleuchtungvor, ihm entdecken sich viele Wahrheiten; in eine der-selben nun hüllt sich der falsche Licht-Engel ein: denn unterden vielen ihm klar gewordenen Wahrheiten stößt er endlichdoch auf eine, deren Sinn ihm noch dunkel ist, er möchtesie klar auffassen und einsehen, und vermag es nicht. Jetztnahet sich der Betrüger, schiebet ihm, statt Wahrheit, einfalsches Bild vor, welches entweder dem Glauben, oderder Liebe, oder dem Leben und der Lehre Christi zuwiderist; greifet nun der Mensch nach diesem Bilde und nimmtes für baare Wahrheit hin, dann fällt er der Lüge anheimund dem Verführer; er fällt, und sein Fall ist schädlichund ihm sehr verderblich, es ist ein innerer geistiger Fall,und nur Gott vermag, den Irrthum ihm zu zeigen undvonr Falle ihn wieder aufzurichten. Erbarmet sich nunGott des Gefallenen und zeiget ihm durch Seine Gnade denIrrthum, und er entsaget demselben, kehret zur Wahrheitzurücke und bleibet ihr treu, giebt sich auch Gott und Sei-nem Willen anheim, so nahet sich denn doch noch einmalder Versucher, unternimmt das Letzte und Gefährlichste,er hauchet den Geist der Hoffart und des Stolzes in ihn,ihn befällt der Dünkel: ob auch Jemand in der Welt sey,der nicht irre, ausser ihm, ob auch Einer so genau undgemäß der Wahrheit lebe, wie einzig er? Wwersteht er