Teufel. Die Neigung und der Hang zur Sünde liegt wohlin des Mengen Natur, das ist das Erbübel von AdamsFalle, er ist aber nicht gezwungen zur Sünde, er hat sei-nen freien Willen; sündiget er nun, so thut er das Böseaus ebenem bchen Willen, er thut das, was nicht in sei-ner wahren Natur liegt, er handelt also gegen dieselbe:denn die Sünde zerstöret die Natur und entwürdiget sieihres Adels, nur die Tugend giebt diesen Adel wieder, wenner entehret ist, nur die Tugend erhält und bewahret ihn vorjeder Erniedrigung. Gott hat die Natur des Menschenzum Guten, nicht zum Bösen geschaffen, darum strebt sienach diesem und verabscheuet das Andere als etwas ihr Un-ähnliches und Widerstrebendes. Auch der Teufel hasset nachseiner ursprünglichen Natur die Sünde; seit er gefallen ist,liebt er sie, und diese Sündenlicbe macht ihn zum Teufel,und das thut die Sünde mir Allen, die sie lieben.
§. 4y.
Die die menschliche Natur immer nur schelten und schim-pfen, kennen sie wahrlich nicht; sie ist wohl sehr edel undgut, behandelst du sie nur recht; klage immerhin über ver-derbte, böse gewordene Natur, sie selbst aber in ihrer ur-sprünglichen Anlage achte hoch; Gott selbst achtet und liebetsie, zu ihrem Dienste hat Er alle Dinge geschaffen, inmenschlicher Natur hat der Sohn Gottes den Tod erlitten,sein menschlicher Tod hat des Menschen Natur über alleEngel erhöhet. — Es ist nicht wahr, was man oft hört,daß nämlich ein natürlicher Mensch nur ein böser und schäd-licher Mensch sey! Ich behaupte vielmehr: ein in ächterNatu r lebender Mensch ist ein reiner Mensch. Wir müssenjedes Ding nehmen in seiner ächten Anlage und Zustande;des Menschen Natur an sich ist gut, als solche ist sie rein,das Reine ist ohne Gebrechen; lebet nun und stehet derMensch in seinem ächten natürlichen Adel, so ist er ledigund befreiet von jedem sündlichen Zufalle, und das ist dannder reine Naturstaud, in dem der achte natürliche Mensch,als reiner Mensch lebet. Was die Natur verunreiniget undverdirbt, ist nicht ihr Wesen, es ist eine Krankheit, die