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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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Gutes und Böses. Aechte Armuth kann nickt täuschen, woTäuschung und Trügniß ist, da ist auck das Herz nochnickt ganz rein, oa haftet es noch an irgend Etwas, essev nun ein geistliches oder leibliches Gut, aber in gänz-licher Entblößung Alles und Jeden, was nicht Gott ist,steht der Mensch m wesentlicker Wahrheit, da ist keineTäuschung, kein Betrug möglich, er nimmt die Wahr-heit ja nickt nach dem Scheine, er nimmt sie nach ihremWesen, welches Gott oder göttlich ist; und diese göttlicheuns unfeblvare Regel entdecket ihm jeden Betrug, er seynun augenblicklich in ihm oder in einem anderen, dasBöse muß sich seinem truqloscn Blicke enthüllen, so ver-bannet er es dann von sich, und wählet das Gute.

§. 48 .

Und nicht nur die Sünde entdecket uns das Licht derGnade, sie zeiget uns auch den Schaden, und dasunausspre ch liche Verderbe n, das die Sünde stiftetund hervorbringt; sie zeiget uns nämlich, wie die Sündeden Menschen alles Guten beraubet, des natürlichen wiedes geistlichen Gutes. Die Sünde entsetzet die menschlicheNatur ihres Adels, stürzet sie in eine solche Verworfcn-b-it, daß ihr alle Geschöpfe gram und abhold werden;diese Verworfenheit und schändliche Entwürdigung der Na-tur ist selbst dem Teufel eine Hölle, er fühlet sie zu sei-ner Verzweifelung, da er ihrer ledig und frei zu werdennicht vermag. Es ist eine Lüge, wenn man spricht:Sün-digen ist menschlich!" Es ist nicht nur nicht menschlich,es ist teufelisch; die Sünde macht den Menschen zu einemTeufel; wer wissentlich in schweren Sünden lebt, der istnicht nur kein Mensch, er ist ein Teufel, ja er ist ärgerund schlechter als dieser: denn hätte er das Vermögen unddie Fähigkeit noch in sich, zurückzukehren zu Gott und zumGehorsam gegen Ihn, er würde nimmermehr in seinemSünden-Elende bleiben, sie aber, die sündigenden Men-schen, haben diese Kraft, diesen freien Willen noch, siekönnen der Sunde entsagen, und wollen es doch nicht,darum sind sie auch wirklich schlechter und ärger, denn der