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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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durch Figuren und Gleichnisse, die in der Schrift vorkom-men , er geboret zu den Jüngern Christi, zu welchen derHerr sprach"):Euch ist gegeben zu erkennen das Ge-heimniß des Reiches Gottes, den Andern muß es in Gleich-nisten gegeben werden." Wer die Wahrheit rein verstehet,der bedarf keiner Gleichnisse, und wenn denn der Gcistcs-arme leer und entblösset ist aller Dinge, die nicht im Ein-klänge mit der Wahrbeit stellen, so erkennet er denn auchdie Wahrheit rein, und ausser ihr will er nichts, sie alleinist ihm genug.

§. 46.

Auch den Unterschied zwischen wahrer und falscher Tu-gend, zwischen wahrem Guten und wahrem Besen lehreteinzig das Licht der Gnade, und das ist wohl eine sehrnöthige Erkenntniß; soll man die Untugend lassen, dagegendie wahre Tugend ergreifen, so ist wohl vor allem nöthig,sie beide in ihrer wahren Art und Weise zu kennen.Wohl haben die Weltweisen von jeher viel über die Tugendgeschrieben, aber auf den wahren Grund derselben sind sienicht gekommen. Sie schrieben von der Tugend, als voneiner der menschlichen Natur angenehmen Sache, und na-türlich genommen, ist auch die Tugend lieblicher als dasLaster; dieser Annehmlichkeit wegen liebten sie selbe, siefanden ihre Lust in ihr, und darum übten sie solche, siesuchten also nicht die Tugend, sondern nur ihre Lust, sowar sie nur Eigenliebe, nicht Tugcndliebc, sie suchten näm-lich in ihr sich selbst; daran dachten sie nicht, daß geradein Verzichtleisiung auf alle natürliche Lust die wahre Lugendbestelle;.aber wie konnten sie, geleitet von der Natur, aufdiesen Grund gelangen, den einzig das Liebt der Gnade,nimmermehr das Licht der Natur zeiget? Wer sich und seineLust in der Tugend suchet, sie deshalb übet, dessen Tugendist eine blos natürliche, die er mit dem Sünder gemeinhat; die Tugend hingegen, mit völliger Entsagung allernatürlichen Neigung und Lust üben, das ist das Werk