Erkenntniß nur quellet. Strebt er nun diesem nicbt nach,dann ist er nicht Mensch, sondern Vieh; nach Wis-sen und Kennen strebt des Menschen Natur, Wahrheitsuchet der Mensch, ihr strebt er nach, vernünftig will erleben, das Gute will er kennen und das Böst, und siebeide von einander unterscheiden lernen. In dieser nöthi-gen Hinsicht darf und kann er auf natürliches Erkennennicht verzichten, es wird ihn vielmehr, bei rechtem Ge-brauche, zu jenem Erkenntniß, das die Gnade aiebt, unddieses zu jenem, das unmittelbar zu Gott suchet, le'ten,und ihn beider fähig machen, was ihn dann in wahre Voll-kommenheit versetzet.
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Wir müssen demnach jetzt den Unterschied zwischen natür-licher Erkenntniß und jener der Gnade, und endlich derwahren, göttlichen Erkenntniß zeigen; auf beide ersterewollen wir hier besondere Rücksicht nehmen.
Das natürliche Erkennen gehet auf alles Erschaffene,es sep nun geistlich oder leiblich. Der Mensch will gemäßseiner Natur jedes erschaffene Ding erkennen; welche Unter-schiede immer er dann an und zwischen dielen allen entdek-ket und findet, das hat er von seinem natürlichen Wissen;dieses Wissens nun, und dieses Erkennens erfreuet er sichsehr, das treibt ihn zum weiteren Forsäwn; bleibt er nunbefangen in diesem natürlichen Wiffcn, und ordnet es nichthöher, nämlich auf ein geistiges und göttliches Wissen,dann fällt er mit seiner natürlichen Wissenschaft auf sichselbst, wird befangen in sich selbst, liebt sich selbst, undwird nie zur wahren Entlcdigung und Sclbstverläugnunggelangen, denn die bloße Natur lenket alles nur auf sichund ihre Lust hin. Solche natürliche Weise sind an ihremBenehmen leicht zu erkennen, sie wollen überall und immervorne und obenan stehen, sie sprechen in alles darein, fuh-ren immer das erste Wort, denn so weise und gut sprichtkeiner, denn sie; sie wollen allzeit recht haben, sintemalalle Wahrheit in sie genistet hat, jeder Widerspruch bringetsie in Zorn, in diesem erlauben sie sich alles, und ihr Wort