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Z. 38.
Fragest du, wie die Armuth wirken könne, da sie alsreines Wesen unbeweglich, und jedes Wirken doch beweglichsen, wie mag Entledigung und Wirken zusammenstehen?Gleich Anfangs sagten wir, die Armuth ist eine Aehnlich-keit Gottes, der höchste Geist ist in sich selbst unbeweglich,und doch beweget Er alle Dinge; so ist eben auch die Ar-muth unbeweglich in sich selbst, doch beweget sie mit Gottalle Dinge, sie ist übergegangen in Ihn, vereiniget mitIhm, sie ist Eins mit Ihm, sie hat gleiches Wirken mitdem Einen. Ferner besieht ja der Mensch aus Zeit undEwigkeit: erbebt sich nun der Mensch mit seinen obernKräften, mit seinem edeleren Selbst aus der Zeit in dieEwigkeit, so sieht er nach diesem höheren Selbst unbeweg-lich, er steht nämlich in der unbeweglichen Ewigkeit; in die-ser Unbcweglichkeit nun regieret, leitet und beweget er denndoch seine niederen Kräfte, die der Zeit dienen. Gleicher-weise ist die wahre Armuth unbeweglich, und wirket mit derhöheren Seclenkraft in die untergeordneten Kräfte, beiwci-tem aber diese nicht auf jene. So ist ist demnach die Ar-muth ein reines Wirken, und doch unbeweglich.
Z. 3Y.
Nun wirken aber dreierlei Dinge im Menschen, dieNatur, die Gnade, und Gott; das erste soll derMensch reinigen, das zweite wird durch sich selbst rein,das dritte ist das reinste.
Das natürliche Wirken zeiget sich in dreifacher Weise:der Mensch wirket leiblich, er wirket durch die Sinne, erwirket durch den Geist. Das erste natürliche Wirken desMenschen ist blos leiblich; er ißet, trinket und schlaft. Daßer nun in diesen blos leiblichen Dingen Gott nicht vergesseund bei Seite setze, soll er sie reinigen auf folgende Weife:er soll Maaß und Ziel halten, die Mitte nicht überschrei-ten durch zu viel oder zu wenig, er soll sie gebrauchen alsNothdurft des Leibes, nicht über die Mitte hinüber schrei-ten; so bleibet sein Werk rein und wohlgeordnet zu Gott.»
A.