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den kann, nimmermehr von aussen. — Indessen dürfenwir doch die äussere Uebung nicht beiseite setzen. Sie al-lein zwar macht den Menschen nicht vollkommen; alleingetrieben, gebühret sie vielmehr eine unordentliche Freiheitim Menschen, wie wir erst geboret haben. Wird sie hin-gegen in gehöriger Bescheidenheit und Ordnung, oder viel-mehr in der nöthigen Unterordnung unter Gott, und derrichtigen Erkenntniß seiner selbst und seines Innern betrie-ben, dann ist sie wohl gut unv nützlich, dann stimmet dasAeusserc mit dem Innern zusammen, und sie beide gehörenzur wahren Vollkommenheit, aber keine ohne die andere.
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Diese ungeordnete Freiheit verlasset indessen gewisse An-fänger des geistlichen Lebens noch nicht; sie äussert sichzweitens auch wieder, wenn der Mensch nach vielenund mannichfaltig geübten äusseren Werken endlich in sichselbst sich wendet, und gleichsam in sich ruhet. Bei die-sem Innebleiben in sich entspringet in ihm ein Licht, aberein natürliches, durch welches er natürliche Wahrheitzu erkennen und zu unterscheiden vermag, was ihn dennsehr freuet und crlustiget, und ihn immer mehr und wei-ter treibet zum Kennenlernen des Wahren, so daß er garsehr vernünftig und erleuchtet wird. Dieses Vcrnunftlichtaber ist doch nur natürlich. Stehend nun in diesem natür-lichen Lichte, vermögend, alles, was er wolle, zu erken-nen und zu unterscheiden, wähnend auch, nun sey alleWahrheit in ihm, blicket er mit Wohlgefallen auf sich selbst,sich mit Wohlbehagen schmeichelnd, er sey der Mann, deinNiemand gleiche 'N Seine Seele geht in solchen Uebermuth,in solche unbändige Freiheit ein, daß er nun Niemandweiter hören, keinem mehr glauben, keiner andern Lehreoder Kenntniß ferner huldigen will, ausser der seinigen;denn wie er, kennet Keiner die Wahrheit, was er ver-
*) Im altdeutschen Originale steht am Rande die Bemerkung: „Hi-u-üiito üt iävtuiil" — „Das vermeinte Wissen w'rd ein Götze." DerHerausgeber hielt sich verbunden, diese Note nicht zu übergehen.