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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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Willst du die Sache anders ansehen? es spricht nurdeine ungeregelte, falsche Freiheit aus dir, die da sün-diget straflos, furchtlos, die sich der Tugend rühmet, ohnesie zu besitzen, die da Vollkommenheit heuchelt, ohne vonsich selbst und jedem irdischen Dinge ausgegangen zu seyn.

§. 31 .

Die andere Art der ungeordneten Freiheit ist geistlich,und zwar deswegen, weil sie gewissermaßen vorn Geisteausgehet, und leider! Viele, die da geistlich seyn wollen,darin befangen sino. Sie äußert sich auf dreifache Weise: undzwar zuerst bei dem ersten Anfange des Befserwerdenwollenseines Menschen. Als bisheriger Sünder wendet sich derMensch ab vom stündlichen Leben, er blicket auf Gott hin,die verübte Sünde fordert Buße, er übet strenge Bußwerkebis zur harren Züchtigung seines Leibes, seinen äusserenLebenswandel ordnet er der Tugend gemäß ; dabei über-sieht er aber sein Inneres, wird des Herrn in seinem Ge-müthe nicht gewahr, und treibet sich immer im äusserlichenWesen herum. So kommt er aber lischt zur Kenntniß seinerselbst, die doch einzig nur von innen her entstehen kann;bei dieser Unkenntniß ihrer selbst gelangen sie denn auch niezur Erkenntniß der Wahrheit, sie sind und bleiben blinde,gefallen sich aber indessen selbst, zählen sich gleichsam dievielen geübten Bußwerke und äusserlichen Uebungen vor,und wähnen endlich, sie wären die rechten und gerechtenLeute, die der Lehre und Leitung Anderer wohl entbehrenkönnen; denn so viele äussere Buße, wie sie, haben diesenicht gewirket, nun werden sie auch frei, zumal sie ja dieBessern und Besten sind, steigen über Andere mit Verach-tung und freventlichem Urtheile strafend herein, dieBlinden! die des inneren Lichtes ganz ermangeln! Mit die-ser Art Menschen ist es gar schwer und kümmerlich umzuge-hen , noch schwerer sie zur wahren Erkenntniß ihrer Gebre-chen und Fehler zu bringen, sie glauben Niemand als sich,denn wie sie, haben Andere äusserlich noch nicht gewirket ; sobleiben sie befangen im Aeusseren und kommen nie zurwahren Demuth des Herzens, die nur von innen urstän-