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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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hassend, quälend und verfolgend auf ihn ein, so wirketdas an einem wahrhaft freien, armen und gottgefinntcnMenschen nichts, als noch tiefere Demuth und Geduld,noch innigeres Anhalten an Gott, volle, gänzliche HingabeAlles und Jeden an Ihn; Schweigen, Leiden, Tragen,Gott danken, das wirket in ihm das Leiden und Verfolgen.Ungeordnete, ungöttliche Freiheit hingegen entstehet aus Hof-fart, und endet in Hoffart, im Zorne, im Uebermuthc undin allen übrigen Untugenden. Wird sie angefochten von Je-mand, so entbrennt sie in Zorn und fordert augenblicklicheRache, ihr Uebermuth brauset auf, ihr Haß bricht in Schelt-worts aus, sie lästert und verläumdet, verkleinert und setzetherab ihren Gegner, sie kann sich weder enthalten noch mäßi-gen, sie muß losbrechen gegen ihn; Gerechtigkeit nennet sie ihrrachesüchtiges Unwesen, der Gerechtigkeit will sie genug thun,sie soll von ihr gehandhabet werden, ja Gott selbst, wäh-net sie, darin zu ehren. Das ist aber eine falsche, ganzirrige Gerechtigkeit, ihre Quelle ist Hoffart und nichtDemuth, denn wahre Gerechtigkeit hat Mitleiden und Er-barmen, die falsche aber wilde Bitterkeit; an ihren beider-seitigen Aeusserungen werden sie erkannt: die eine fährtauf und stürmet, die andere schweiget, duldet, demüthigetsich, und stellt alles Gott heim; aber dieses Schweigendes göttlich freien Menschen ist bei weitem nicht Furcht,er schweiget, weil er überzeugt ist, daß seine Worte nichtfruchten, denn sollte er erkennen, daß Gott die Rede vonihm verlange, er würde reden ohne alle Furcht, er istbereit, um der Wahrheit willen alles zu leiden und hinzu-opfern; dagegen verzaget der falsche und ungerechte Freie,wenn Noth über ihn einbricht, er wird niederträchtig,feige und kriechend, nur um das bischen Leben zu retten.

Z. 29.

Gar oft wird ein göttlich freier Mensch falsch beurthei-let, man hält ihn öfters für einen ungeordneten Menschen,seine Freiheit für eine falsche, man muthet ihm manchmaletwas zu, was an sich gut ist, er unterziehet sich aber demAntrage nicht, er giebt die Sache auf, weil er erkeir-