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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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thun und wirken kannst durch äußerliches Zuthun. Esist wvhl recht, sagst du, aberinal entgegnend, daß derMensch zum vollen Schauen der Wahrheit gekommen, unddie Sünde in ihm ganz überwunden sey, er darf sich dochnicht selbst das zutrauen, und so wäre es denn doch besserund sicherer, wenn er sich vertrauend Andern übergäbe?Gewiß darf und wird sich dcsien der wahre Geistcsarme inseinem Herzen nicht rühmen, gewiß solcher Zuversicht sichnickt anmaßen, er stellet es Gott heim, aber weder sichX, noch einem andern Menschen; denn hat er die Wahrheitund ächte Vollkommenheit, so ist sie ihm ja bloße GabeGottes, Der allein, und kein Mensch, sie geben kann.Weit entfernt, daß der Geistesarme Andere verachten, ge-ringe schätzen, oder mißtrauiich gegen sie seyn sollte, er hältsich immer als den Geringsten, zieht alle Andern sich vor,aber immer und unabärcherlich stebt ihm Gott oben an;so wie Ihm, vertrauet er Niemand, so hoch, wie Ihn,stellet er Niemand.

§. 21.

Endlich, so wenig der wahrhaft Vollkommene, derächte Gcistesarme der heiligen, christlichen Kirche und ihrenGesetzen und Anordnungen sich entzsthet, oder gar wider-setzet, so ist er denn doch als solcher nicht gebunden zuallen Gesetzen derselben, nach äusserlicher Weise, wieAndere, die noch befangen sind in sich, lebend in der Sunde,käinpfcnd, siegend, unterliegend. Der Geistesarme hatnämlich das, was die heilige Kirche nach äusserlicher Weiseangeordnet, und zu thun befteblt, innerlich, geistig, we-sentlich schon erfüllet, er ist dahin gekommen, wohin dieKirche mit allen ihren Geboten, Gesetzen und Anordnungenihre Kinder führen will; sie will doch gewiß nicht anderes,als daß man die Sunde unterlasse, dagegen die Tugendgewinne. Der vollkommene Geistcsarme hat nun die Sündeabgelegt, er hat die Tugend gewonnen, er hat demnachden Zweck und das von der Kirrste gesteckte Ziel erreichet;er wird auch fcrnerbin Alles in Einfalt seines Herzens thun,was das Kirchengesetz vorschreibt, und er zu thun vermaa.

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