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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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Sünde, nur Knechtschaft ist Sündendienst, wie Paulussagt P : ,, Wer Sünde thut, ist Knecht der Sunde, undnicht ein Freier." So edel und erhaben ist ächte Freiheit,daß sie Niemand, denn Gott, der Vater, allein gebenkann, da sie eine Kraft ist, die da unmittelbar fleußt indie Seele aus Gott, der ihr alles Vermögen giebt, nachPaulus Worten :Aue Dinge vermag ich in Dem,Der mich stärket."

§- 16 .

Eine Seele, die da einkehret in sich, und nachdenketüber sich, betrachtet sorgfältig, was sie war, was sie sey,und was sie nicht ist; was sie war, nämlich in ihrer süud-lichcn, gebrechlichen Weise, mit Sünden befleckt, entfrem-det Gott, und sich selbst, tugendleer, und gnadelerr, daserkennet sie mit bitterer Reue und Schaam, und diese Reue,diese Bitterkeit, dies Gedränge und Mißfallen an sich selbstreiniget, und läutert sie, und in dieser Läuterung ursprin-get ein Licht, ein klarer Lichtstrahl, der ihr alle Wahrheitentdecket, und der heilige Geist entflammet noch mehr die-ses Licht, machet die Seele aufwallen und inbrünstig, trei-bet sie in Erkenntniß der ihr aufgedeckten Wahrheit hinein,daß sie ihr nicht mehr entschwinde, daß sie ihr unwidersteh-lich anhange, und nimmermehr zurücktrete in ihre altenGebrechen. Gewaltig und frei führet Er sie in alle Wahr-heit; und ist sie dann in die Wahrheit gekommen, von ihrdurch und durch ergriffen, hat sie in der Wahrheit die süßeFrucht der Freiheit gekostet. So ist ihr denn die Wahrheitso köstlich und tröstlich, daß sie Allein und Jedem entsaget,ausschließend der Wahrheit sich hingiebt, Verzicht leistetauf die Freiheit ihres eigenen Willens, und so in die wahreArmuth eingehet. Bei diesem Ausgange, und dieser Auf-gabe ihres eigenen Willens, nimmt Gott ihren Willen,umkleidet ihn mit Seinem Willen, giebt ihm völlige Frei-

Rom. r> , > 6 . J>)h. 8 , 34."*) Phil. .4, > 3 .