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Johann Tauler's Nachfolgung des armen Lebens Christi
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so wie Gott alle Dinge in sich begreifet, so begreifet ebenauch ein vollkommen armer Mensch alle Tugenven in derEinheit der Liebe, denn in dieser Liebe wirket er alle Tu-genden, und diese Tugend ist wesentlich, und bestehet garwohl mit wahrer Geistesarmuth; ja er wird nimmermehrdiese wahre vollkommene Armuth erreichen, wenn nicht alle »Tugenden sein Wesen werden.

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Dann aber gehet der Mensch in das Wesen der Tu-gend über, wenn er alles Zufalles ledig ist, und dann ister alles Zufälligen ledig, wenn die göttliche Liebe ihm allevergängliche Dinge entzogen hat, und er dann äusserlichund innerlich frei, entlediget und blos stehet von allen die-sen Dingen, und nicht mehr irgend eine Tugend mit Befangen-heit zu wirken vermag, sondern einzig mit einem einfältigenund reinen Willen sich Gott zu überlassen und hinzuopfernin alle Tugenden. Das ist aber jenem Menschen nicktmöglich, der noch nicht jedes Acusserlichcn, jedes Zufäl-ligen entlediget ist, und dem die göttliche Liebe noch nichtalles Acusserliche' entzogen hat; er hat die Tugend nicht,und kann sie noch nicht haben im Wesen, er wirket bloszufällig: denn zufällig ist alles, was jetzt ist, und dannnicht ist. So wirket er nun tugendhaft, wie sich Zeit undGelegenheit, Lust oder Noth giebt', oder nicht ergiebt, da-gegen wirket ein wahrer Geistesarmer allzeit und immertugendlich, und so wie sein Wesen unzerstörlich ist, so istes auch seine Tugend, darum hciffet sie auch wesentlicheTugend, weil sie zum Wesen geworden ist.

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Daraus ergiebt sich nun, daß, wer eine Tugend we-sentlich und vollkommen hat, sie zumal alle habe; dennalles, was der Mensch äusserlich und innerlich thun kann,gehöret zu einer vollkommenen Tugend. Richtet er nun alle >Dinge, jedes seiner Werke auf die eine Tugend hin, danngewinnt er sich das Wesen dieser Tugend, und ziehet nurdiesem alle andern Tugenden an sich, und machet selbe sich