3i8
Europa und die Revolution.
Höheren auch in der Beschauung sein Recht ge-statten: aber die Religion der Jugend muß vor-herrschend werkthatig seyn; nicht blos Hörer mußdas Wort bey ihr finden, sondern Thatcr; ihreKirche ist die streitende, und ihr Glaube jenerlebendige, der, weil er die feste Ueberzcngung vomendlichen Sieg des Guten in sich tragt, auch inihr den Sieg gewinnt. Wohl enthalt schon dasGebet des Herren Alles, was die Zeit bedarf: daßGottes Reich komme, das Reich der Wahrheitund Gerechtigkeit; daß sein Wille geschehe, dernur das Wohl und die Freyheit und das GluckAller wollen kann; daß ein gesicherter Wohlstanddes Leibes Nothdurft leiste; daß die alte Schuldder Natur, die die Enkel heimsucht, endlich gesüh-net werde mit der eigenen; daß die Verzweiflungdie Völker nicht in die Versuchung führe, durchgewaltsamen Aufstand ihr Recht sich selbst zu neh-men, sondern schonende Billigkeit, die Jedem ge-stattet, was ihm gebührt, sie erlöse von dem Uebcl.Aber die Formel kann nicht bringen, um was siefleht, wenn die That müßig bleibt; nur wenn derAckersmann den Pflug geführt, und die Saat derErde auvertraut, laßt der Himmel die Sonnescheinen über sie; nnd wenn die Zeit gekommen,ist die Erndte reif geworden. Darum kann nureine freudige, wackere, rüstige Religiosität demVaterlande frommen; aber eine trage, träumende,