Druckschrift 
Der Kampf der Finsterniß mit dem Lichte des neunzehnten Jahrhunderts
Entstehung
Seite
120
Einzelbild herunterladen
 

durch Hörensagen nach und nach so verfälscht nieder,geschrieben wurden, daß es dem unpartheiischen Forscherschwer hielt, das Wahre vom Falschen zu unterscheiden;und durch den Fanatismus der Ehristcn wurden Geistlicheund Klöster so sehr mit Schenkungen und Vermächtnissen üba»laden, daß sich der Kaiser Valentinian im Jahre 370 ge«nöthiget sah, von den Kanzeln seines Reichs publiziren zulassen, daß so wenig der Bischof zu Rom, als die übrigeGeistlichkeit sich unterstehen solle, von den Layen Schenkun-gen anzunehmen. Der Kaiser warnte die Diener der Kircheund die Mönche, die Häuser der Wittwen und Jungfrauenzu betreten, unter Androhung der Strafen des bürgerlichenRechts. Der Gewissens > Rath solle fernerhin weder irgendein Geschenk noch Vermachtniß oder Erbschaft aus den Hän-den seiner freigebigen geistlichen Tochter annehmen: jedeSchenkung werde für ungültig erklärt, und die rechtmäßigeSchenkung jvlle der Staatskasse anheim fallen. (GibbonsGesch. 6. B. S. 102.)

Der Vatikan und Lateran waren, nach Gibbons Aus-druck, eine Rüstkammer und Werkstatt« von falschenoder wahren Urkunden. Vor Ende des achten Jahrhun-derts verfertigte ein gewisser apostolischer Schriftsteller(vielleicht der bekannte Jstdor) die Dekretalen und Konstan«tinö Schenkung. Diese merkwürdige Schenkung wurde derWelt durch einen Brief Hadrians I. bekannt gemacht, wor-in er Karl den Großen ermuntert, des großen KonstantinsFreigebigkeit nachzuahmen. — Der Legende zufolge wurdeder erste christliche Kaiser Konstantin im Wasser der Taufedurch den römischen Bischof Sylvester vom Aussatz geheilctund gerciniget. Der königliche Täufling erklärte dann sei-nen Entschluß, eine neue Hauptstadt gründen zu wollen,zog sich bald von des h. Peters Sitz und Erbtheil zurück,und überließ den Päbsten freie und ewige Herrschaft überRom, Italien und über die abendländischen Provinzen.