116
gegenseitige Bcwußtseyn eines solchen Verbrechens, zumewigen Stillschweigen zu verpflichten.
Die Obrigkeiten wußten wohl, daß alles dieses nurDerläumdungen des Pöbels scyen, grade so, wie einigeunwissende Christen heutiges Tages noch die Juden be-schuldigen, daß sie Christen-Kinder heimlich schlachten, weilsie ohne Christcnblut nicht bestehen könnten. Die römischenPräsekten kannten iudeß die brave Aufführung der Christenbesser, und verlangten von ihnen, sie möchten bei denVolksfesten nur einige Körner Weihrauch auf den Altarder Götzen streuen, um sich dadurch als gehorsame Unter-thanen zu zeigen; allein sie waren darin zu bedenklich, undglaubten sich zu versündigen. Wenn ein heidnischer Freundsverinuthlich beim Niesen) den gemeinen Ausdruck brauchte:Jupiter secgue dich! so war nach den damaligen christlichenBegriffen der Christ verbunden, gegen die Gottheitdes Jupiters zu protestircn; daher cs dann nicht seltenWidersetzlichkeiten gab, wenn sie dergleichen Volksgebräuchemitzumachen sich weigerten. Da sich indessen die Zahl derChristen mit jedem Jahre vermehrte, und die heidnischenTempel dadurch immer leerer wurden, so fanden sie starkeGegner an den Götzenpriestern, weshalb auch der Bischofvon Karthago, Thascius Cpprianus, beschuldiget wurde,daß er ein Feind der Götter Roms und der Anführer einerstrafbaren Gesellschaft von Christen scy, und sie verleite,gegen die heiligen Gesetze der Kaiser Valerian und Gal-lerius zu handeln. Als er deshalb zum Tode verurtheiltund enthauptet ward, riefen die Christen: »Wir wollen mitihm sterben!« Der Märtyrer Tod war überhaupt bei ihnenso geachtet, daß sie beim Mangel eines Anklägers biswei-len den öffentlichen Gottesdienst der Heiden störten,bloß um — Märtyrer zu werden. Deshalb redete derProkonsul, Antonius, die asiatischen Christen einstmalsalso au: "Unglückliche Menschen! Ist es euch denn so