angenommen worden. Der eigentliche Unterschied zwischenbeiden Parteien liegt bloß in den, von den Protestantenabgcschafften, später« Ansätzen der Römischen Kirche,welche die christliche Urkirche nicht kannte. Wären Luther,Zwingli, Kalvin rc. zu den Zeiten jener Konzilien mitihren Lehrsätzen ans dem heidnischen Deutschland erschienen,so würden sie ohne Zweifel noch heutiges Tages in allenKalendern als Heilige aufgcfnhrt stehen.
Könnte Rom sich entschließen, die Kirchengesetze unddie vielen Feiertage, welche es seit dem Jahre 3S5 gege-ben hat, wieder aufzuheben, wozu es sich doch, vermögeseiner eingebildeten Schlüsselgewalt ermächtiget glaubt;wäre es geneigt, mit aller Kraft gute Volksschulen, (worinKünste und Wissenschaften aller Art gelehrt werden) zustiften,*) und sein Kardinals-Kollegium nicht bloß ausJtaliänern, sondern wie einst unter den deutschen Kai-sern, aus Individuen von allen europäischen Staatengleichmäßig zusammen zu setzen, um dadurch mit den Volks«bedürfnissen und dem Zeitgeiste aller Nationen bekannt zuwerden, und nicht bloß bei der einseitigen Theologiestebcn zu bleiben, sondern auch sich mit den höheren mathe-matischen und philosophischen Kenntnissen zu beschäftigen,so würde man nie mehr von Bullen über Feuer - und Was«scrproben, über Herenverbrennen rc. etwas hören; dieScheidewand zwischen Katholiken und Protestanten würdebald nieder gerissen seyn, und das Volk, statt der Wall«
Maria Theresia soll einst folgendes Gespräch mit dem bekann-ten Reichshofrath von Moser gehabt haben: ,. Warum steht esmit der Erziehung bei den Protestanten besser?" — „Wir ha-ben mehr Fenster." — „Das versteh' ich nicht!" — „Wirgewöhnen zum Selbstdenken, Selbstprüfen; Katholiken dürfenkein Gehirn, nur ein Gedächlniß haben." — „Das geht nurauf Freigeisterei hinaus." —
(S. Gesellschafter von Gubitz. Berlin 1821.)