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131. Was ist das Leben ? Ein Tranm! WasLebensfrendc ? Nur Schatten!Wehe, verlieh' uns Gott Hoffnung, Erinnerung nicht!
132. Hege zu kühne Erwartungen nicht, weil hoch du cmporsteigst!Grad' auf den Höhen, da haust häufiger Nebel und Sturm.
133. Der du so innig begehrest,oFreund,und so ernst,der irdischen SonneAufgang, staunend, zu schaun: denke der himmlischen auch!
Suche noch mehr den Gott, der hier sich im Werke dir kund gicbt;Ein Aufrichtiger hat nie ihn vergebens gesucht!
134. Lasterliebe vergleich' ich den schroffen, harten Gesteinen:Endlich bewachst sie doch Moos, endlich vermorschen auch sic!
Dem hartnäckigsten Nebel ist Eigenliebe vergleichbar:
Men scheu lieb' ist das Licht, das ihn zuletzt doch vertreibt!
135. Nicht „auf den Bergen" ist Freiheit, ihr Jünglinge! Solcherlei
Frucht wächst
Hier nicht! Sie eignet allein einem erhabnen Gcmüth!
136. Die ihr so heftig beklagt den Sturm und die Nebel, den Regen:O, ein günstig Geschick wahr' euch vor größerem Leid!
Wißt, im Leben, da gicbt'S, ihr erlebt cö noch, gransere Stürme!Dichter Gewölk nmsirömt, stärkerer Regen, euch einst!
137. Bist du himmlischen Sinns, von Gottes Liebe durchdrungen;Wird selbst Dunkel dir Licht, selbst dir Verdruß zum Genuß!
138. Wenig erwarte von dir, und nichts von äußeren Dingen;Alles erwart' allein von dem Unendlichen, — Gott!
13Y. Irdischen Sinncngcnnß begehrst du? klagst, ihn entbehrend?
Heftig wünschest du dir, was nicht in deiner Gewalt?Himmlischen Geisteögenuß hat gnädig dein Gott dir verheißen;
Sicher dir ist er, und doch suchst du ihn nimmer? — O Thor!
140. Wenn zu sicher du nichts hier gehofft; so wirst du, getäuscht hier.Halb nur trauern, und, trafst gut du es, doppelt dich freun.
141. Siehst du, o Menschenfreund, mit Nebeln ringen die Sonne,Siegend strahlet sic bald, schwindend bald, wieder besiegt?
Bild scy dir es, Geliebter, von deinem Wirken und Schaffen:
Endlich besiegst du die Nacht, endlich doch sieget das Licht!
142 . Sckcuche die Nebel aus meinem Gcmüth, du, höhere Sonne!Freut mich doch schon die Natur, wenn sie hier sonnig mir lacht.
143. Täuschte die Hoffnung dich? nicht murre du, trag' cs gelassen;Auch des Nebels und Sturms freut sich ein frommes Gmüth!
144. Laßt hier Gutes zurück. Verständige, Weise und Edle,
Daß dem Pilger auch so werde gesegnet sein Pfad.
Gedruckt bei Samuel Lucas in Elberfeld.