Druckschrift 
Job von Witzleben : Mitteilungen desselben und seiner Freunde zur Beurteilung preußischer Zustände und wichtiger Zeitfragen
Entstehung
Seite
235
Einzelbild herunterladen
 

machen pflegt. Im Innern herrscht eine Pracht, wie ich wederin Petersburg noch in Paris sah. Man sieht, daß diese Nepu-blicancr einmal über daS Gold eines halben Erdkreises zu ge-bieten hatten. Welche Gemächer, welche Säle, Alles strotztvon Gold und Gemälden der vorzüglichsten Meister!

Paul Veronese, Tizian und vorzüglich Tintorctto habensich hier verewigt. Der Saal der Zehner erinnert an dieBlutgerichtc, welche dort gehalten wurden. Von den berüch-tigten Löwenköpfen, in deren Rachen man die Anklagen warf,ist nichts mehr vorhanden, die Ocffnungen sind aber noch sicht-bar. Zunächst des eben genannten Saals befinden sich inmehreren Stockwerken die Gefängnisse, lauter kleine finstereZellen, schauerlich anzusehen, von denen das untere Stock-werk, wie man sagt, unter Wasser gesetzt werden konnte, umunglückliche Schlachtopfer, deren man sich entledigen wollte,zu ersäufen. Dies waren nicht die eigentlichen Staatsgc-sängnisse, die in einem durch einen Canal getrennten Gebäudebefindlich, und noch jetzt in Gebrauch sind, sondern die ganzgeheimen Kerker. Jene, die größern, sind mit dem Pallastdurch eine nach dem dritten Stock führende steinerne vergitterteBrücke verbunden, welche man sinnig die Seufzerbrücke (pontader 808pioi) nennt. Ich schicke Dir eine Sammlung Kupfer-stiche von Venedig, die Dir alles versinnlichen werden. Siesind zwar alt und nicht schön gemacht aber sehr treu undwahr. In den Tagen bis zum 28 sten haben wir gesehen, was ineiner so gedrängten Zeit immer zu sehen war; mehr vielleicht alsdienlich, da Vieles nur im Durchfluge betrachtet werden konnte.Ich werde Dir hier alle Gebäude nennen, die wir besucht haben,und dann herausheben was mir besonders bemerkenswert!) ge-schienen. Von vielen weiß ich wahrlich nicht mehr als